Treibgut

Ohne Abschied gibt es keine neuen Entdeckungen. Auch von Ulrike und Matthias (Bella) war der Abschied unvermeidbar. Ein gutes Essen in einer Strandbar und ein letztes Bier bei uns an Bord waren der würdige Rahmen nach den schönen gemeinsamen Tagen. Wir wünschen beiden eine gute Rückfahrt über den Atlantik und problemlose „Wiedereingliederung“ ins Berufsleben sowie die Chance recht bald wieder zum nächsten Langzeittörn starten zu können.

Unser Kompass zeigt jetzt nach Süden. Von Antigua  (Jolly Harbour) ging es nach Fort de France auf Martinique. Dort erwarten wir Rainers Tochter mit ihrem Freund am Sonntag, den 5.5, zu Rainers Geburtstag. Bis dahin können wir uns zwei Wochen treiben lassen.

Im ersten Abschnitt schafften wir hoch am Wind gute 50 sm und erreichten Deshaies auf Guadeloupe noch gerade vor dem Sonnenuntergang. Tags darauf wurden es in der Abdeckung der Insel bei wechselndem Wind und einigen Regenschauern kapp 25sm.

2013 April 004 Sonnenuntergang

Die Dunkelheit war bereits eingebrochen als wir unser Ankermanöver in einer kleinen Bucht an der Westspitze der Iles de Saintes (Terre de Bas) abbrachen und weiter zum Hauptort Terre de Haut fuhren. Es folgte dort eine lange Suche nach einer freien Boje. – Ankern bei mehr als 20 Meter Wassertiefe geht nicht. – Die fast letzte freie Boje fanden wir schließlich ganz am Rande des Bojenfeldes. Die wechselnden Strömungen bescherten uns dort eine sehr unruhige Nacht. Immer wieder trieb unsere Trinity mit kräftigem Bums auf die Boje. Alles Verlängern und Kürzen der Festmacherleinen und selbst ein Bojenwechsel halfen wenig. Nach dem Frühstück, noch mit Rändern unter den Augen, suchten wir uns dann an der anderen Seite der Bucht eine ruhigere Stelle.
Den Tag verbrachten wir dann mal wieder mit „Werkeln“. Das Projekt: Erweiterung der Batteriekapazität um 100 Ah. Ein paar Leitungen zwischen den Verbraucherbatterien, Lichtmaschine und Sicherungskästen verlegen kosteten uns den ganzen Tag. Der Lohn: Ein gutes Abendessen im Restaurant mit rauschenden Wellen direkt neben dem Tisch.

Am nächsten Tag wurde es Zeit zum Aufbruch nach Dominica. Dort findet jeden Sonntagabend ein Barbecue-Abend für Yachties statt. Ein Muss für uns. Die knapp 30sm waren am frühen Freitag -Nachmittag geschafft. So blieb genug Zeit für Wäsche, Versorgungseinkäufe und sich treiben lassen. Für Rainer hieß das Hörbücher hören und mich Lesen und Computerschach (mangels Gegner). Am Sonntag war dann wandern am Indian River angesagt. Per Bootstour hatten wir den Urwaldfluss schon im Februar kennengelernt. Den Einstieg in den Wanderpfad suchten wir zusammen mit einem kanadischen Paar ziemlich lange. Nach dem Motto: „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse“ wurde es ein langer, aber lehrreicher Weg. Wir lernten einige der karibischen Früchte kennen. Hier zwei Beispiele:

Chinola, Passionsfrüchte oder Maracuja

passionsfrucht - chinola

Passionsfrüchte oder Maracujas sind reich an Vitamin C, Eiweiß und Niacin. Der Saft soll schlaffördernde sowie blutdrucksenkende Wirkung haben.

 

Mameyapfel

Mameyapfel

Der Mameyapfel stand schon vor der Ankunft Kolumbus‘ auf dem Spei­seplan der Indianer. Seine Bäume tragen große, gelbe oder rotbraune Früchte, die bis zu 15 cm dick werden können. Unter ihrer dicken, bitte­ren Schale verbirgt sich süßes, orangerotes Fruchtfleisch mit einigen großen, dunklen Sa­men. Die von uns gepflückten Früchte schienen jedoch noch nicht reif gewesen zu sein.

Am Ende des Indian River angekommen gab es den obligatorischen Rumpunsch. Ein herrliches Gesöff. Nur mehr als einen verträgt man nicht. Schon nach dem einen waren wir gut drauf. Herrliche Blumen und gute Stimmung.

Blume am Indian River

Wobei die üppige Blumenpracht dem starken Regen in den letzten Wochen zu verdanken war. Die gute Stimmung allerdings einem netten Kontakt mit einer deutschen Studentin, Bili, die bereits einige Monate hier lebt und versucht hat hier ein Praktikum in Agrarbereich zu absolvieren. Jetzt wartet sie auf eine Gelegenheit in Canada arbeiten zu können. Sie lässt sie von den Gelegenheiten treiben und versucht möglichst viel von der Welt zu sehen.

Am Abend stand dann die Grillparty mit den Seglern auf dem Programm. Eine tolle Gelegenheit Erfahrungen auszutauschen, gut und preisgünstig zu essen und dem Rumpunsch zu frönen. Auch für Bili, die wir eingeladen haben, ein schöner Abend.

Unser nächstes Etappenziel hieß Guadeloupe. Erst in der Nacht erreichten wir die Nordspitze der Insel. Mit einigem Nervenkitzel liefen wir in eine Bucht, die in Plotter-Karte als Ankerbucht eingezeichnet ist, ein. Wir hörten das laute Gezirpt der Grillen und das donnern der Brandung am Strand. Zu sehen war nichts. Doch der Tiefenmesser, unser Radar und der Plotter gaben uns die notwendige Orientierungshilfe unseren Anker zu positionieren. Am nächsten Morgen konnten wir beruhigt feststellen, dass wir gut lagen.

Wir ließen es langsam angehen. Etwas segeln und meistens motoren. Wenig Wind ließ uns keine Wahl. Doch bis zu unserem Ziel Fort de France war es nicht mehr weit. So fiel dann auch die Entscheidung noch einen kleinen Hafen vor Fort de France anzulaufen. Mit nur 2 – 4 Knoten ging es gen Süden. Lesen Schach und dösen standen dabei auf dem Programm. Doch dann plötzlich signalisierten uns Wellenformationen und eine andere Wasserfärbung dass vor uns ein Riff, eine Untiefe oder sonst etwas sein musste. Sofort wurde erst einmal der Kurs geändert. Langsam näherten wir uns dem Bereich. Des Rätzels Lösung: Genau in diesem Bereich herrschte totale Windstille. Hier sammelten sich Riesenmengen von Seegras und Unrat in kilometerlangen und breiten Feldern. Unser Ausweichmanöver war wohl sehr angebracht. Beim Durchfahren dieser Felder wären unsere Seewasserfilter wohl schell zu gewesen.

Kurz darauf die nächste Überraschung: Ein ziemlich dicker Baumstamm direkt vor unserem Bug (Foto). Treibgut, das unserem stabilen Alu-Rumpf nicht gefährlich werden kann. Für leichte GFK-Schiffe nicht ungefährlich.

2013 April 028 Treigut

So gegen 15:00 Uhr fiel endlich unser Anker vor einem kleinen Fischerhafen. Gerade hatten wir uns zum „Ankerbier“ niedergelassen, wurden wir von einem kleinen Boot besucht. Offensichtlich gefiel dem Mann, der heftig auf uns einredete, unsere Ankerplatzwahl nicht so recht. Nachdem er auch noch Verstärkung herbeigerufen hatte, machten wir uns von „Acker“.  Jedoch auch der nächste Platz war den Herren nicht so recht. Nach einem weiteren Ankermanöver lagen wir endlich richtig. Die besondere Fischereimethode, die wir von hier aus beobachteten konnten, demonstrierte uns anschaulich weshalb wir unsere Ankerplatz unglücklich gewählt hatten. Die Fischer zogen mit zwei Booten ein engmaschiges Netz im großen Bogen durch die ganze Bucht. Am Ende wurde das Netz von zahlreichen Männern unter der Beobachtung einer am Strand wartenden Menschenmenge auf den Strand gezogen. Die Zuschauer konnten währenddessen kleine Fische einsammeln. Um die dicken Fische im letzten Netzteil kümmerten sich Männer mit Taucherbrille. Sie schwammen mit den Fischen im Netz und bugsierten sie in einen riesigen Schwimmkorb. Dieser Korb verblieb im Wasser und garantiert wohl den bedarfsgerechten Zugriff auf gute frische Fische direkt aus dem Meerwasser.

Netz am StrandDer Fang wird eingeholt

Unser Tag ging mit diesen Bilder und einem ungestörten Schlummertunk friedlich zu Ende und nach einer erholsamer Nacht war der „Katzensprung“ nach Fort de France nur ein kurzer Schlag. Die uns bereits bekannte Stadt machte das Einklarieren, Einkaufen und Bummeln zu einer entspannten Wartezeit auf unsere neuen Gäste Nicole und Jonny.

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