Start zur Nachtfahrt

Montag, 24.9

Das Wetter stabilisiert sich. Um 10:30Uhr empfangen wir den neuesten Wetterbericht von Wetterwelt. Es sieht nicht gerade toll aus. Doch die Lage soll besser werden. Wir entschließen uns gen Süden aufzubrechen. Schnell noch Wasser bunkern und die Windsteuerungsanlage montieren. Ruck zuck ist es 12:00 Uhr. Es geht sehr ruhig unter Motor los. Am Ausgang der Bucht, wie überall auf der Welt, Fischernetze. Weil das Schiff etwas abrupt aufstoppt, fürchte ich, wir haben eins erwischt. Sofort wird die Schraube gestoppt. Wir warten, ob das Schiff treibt oder hängen bleibt. Es treibt. Ich entschließe mich die Segel zu setzen. Das Großsegel bleibt, nach dem Motto: „Was schief gehen kann, geht schief“, in den Lazy Jacks hängen und natürlich liegt das Großfall außerhalb der oberen Lazy Jacks-Leine. Beim dritten Anlauf ist das Großsegel oben und wir machen Fahrt. Mit der hinzugenommenen Genua sind es sehr schnell fünf Knoten. Schade, dass die Süd-West-Windrichtung nicht passt. Wir wollen nach Süden. Es beginnt nun eine Abend und eine Nacht des Kreuzens. Anfangs noch bei mäßigem Wind und mäßiger Welle. Später wird es ein sehr harter Schlag. Lange Kreuzschläge, vier Meter hohe Welle und immer wieder durchziehende Regenschauer mit Böen bis 35 Knoten (8 Beaufort) In der Nacht, während der Regenschauer, keine Sicht. Wir fahren mit Reff drei und weit eingeholten Vorsegel durch die Wellentäler und werden sehr heftig durchgeschüttelt. Wieder erweist sich unser AIS als großartiger Helfer. Alle großen Schiffe in der Umgebung sind für uns auf unserem Plotter sichtbar. Wir können rechtzeitig ausweichen und werden, weil selber auch senden, offensichtlich auch gut gesehen. Irgendwann während der Nacht prüfe ich unseren Stromverbrauch. Er ist ungewöhnlich hoch. Schnell ist der Grund gefunden: Die Vakuumpumpe der Toilette läuft im Dauerbetrieb. Ein schöner Mist, ab jetzt steht nur noch die Reling für wichtige Geschäfte zur Verfügung und die Reparaturliste hat einen neuen Spitzenreiter. Als die Nacht vorbei ist, stehen wir kurz vor Viana do Castello. Johannes war vor einigen Jahren schon einmal hier und hat noch einige Erinnerungen an den Hafen. Der Hafen hat gleich hinter der Einfahrt an der Backbord-Seite einige leicht anzusteuernde Liegeplätze. Allerdings mit Muringleinen. Das sehen wir jedoch erst, als wir anlegen wollen. Bis wir endlich anlegen vergehen noch einige Stunden. Wir kommen gut rein, sind am Bug fest und machen die Muringleinen fest. Und schon passiert es: Wir fangen uns eine der beiden Muring-Leinen in die noch langsam laufende Schraube. So ein Teil, hier gut 18 mm stark, stoppt der Motor sofort und sitz fest. Ohne Tauchgang ist kein Loskommen möglich. Johannes ist sofort bereit das Problem zu lösen. Er steigt ins Wasser und schafft es mit mehreren Tauchgängen tatsächlich die Leine durchzuschneiden und uns wieder zu befreien. Bleibt noch das Klo. Das Problem verschieben wir auf den nächsten Morgen. Die Nachtfahrt hat uns doch einige Kraft gekostet. Wir machen im Regen einen Stadtrundgang in der bei diesem Wetter fast ausgestorbenen, wenn auch sehr schönen Stadt. In einem netten Restaurant genießen wir bei portugiesischer Fardo-Musik als einzige Gäste ein gutes Abendmenü.

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