Start unserer Segelsaison 2017

Marina Port of Whangarei

Die Monate zu Hause waren wieder seeehr schön und sind schnell vergangen. Besonders die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel huschten durch unseren Kalender.

Nach 5 Monaten Heimaturlaub konnte Rainer es nicht länger ohne die Trinity aushalten und flog Anfang März nach Neuseeland um schon einige Arbeiten an der Trinity zu erledigen.  Unser „Alu-Mädchen“ stand sicher und im sehr guten Zustand in der Whangarei Marina auf dem“ hard stand“. Alles sah gut aus, zwar etwas staubig, aber kein Schimmel oder sonstige grobe Verunreinigungen. Rainer war gut beschäftigt, hat fleißig geschliffen, neues Antifouling gestrichen, repariert und gebastelt. 🙂

Heiner und Rainer begutachten unsere Mausi 😉

Viele andere Segler arbeiteten an ihren Schiffen und abends traf man sich dann schon auf ein Bier im Gesellschaftsraum der Marina.

Anfang April ging ich auch wieder an Bord und freute mich auf Rainer und der guten Trinity.

Meine Reise, von der ich dachte, es wird eine ganz normale Anreise mit Bahn und Flugzeug :-), gestaltete sich schon ab Kassel-Wilhelmhöhe sehr abenteuerlich. Abgesehen davon, dass dieser Bahnhof einfach ein Zustand an Schrecklichkeit darstellt 😉 , kam für mich hier noch nie ein Zug pünktlich an und ich wurde hier schon ein paar Mal „Opfer“ der DB ;-). So auch an diesem Donnerstag, den 06.04.2017. Mein gebuchter Zug nach Frankfurt Flughafen wurde mit voraussichtlicher Verspätung von 55 Minuten angesagt, wegen eines Polizeieinsatzes. Nach der dritten Durchsage, die diese Tatsache immer wieder bestätigt hat, dachte ich, bleibe mal ganz ruhig, du hast Zeit und es fahren ja noch weitere Züge Richtung Frankfurt. 45 Minuten später saß ich im Zug nach Frankfurt Hbf. Heißt also umsteigen. Ich war gut bepackt mit großer Reisetasche, Cockpittrolli, Rucksack und einer normalen Tragetasche :-0. Das klappte alles ganz gut, ich kam, nach meinem Ermessen, noch im akzeptablen Zeitfenster am Check In-Schalter der China Southern Airline an. Es war mir doch etwas komisch, da keine Menschenseele am Schalter stand und während ich mich so umsah und dachte putzig, wo sind hier die Passagiere, da fragte mich auch schon eine nette Dame am Schalter: „ Sind sie die Frau Simon ?“  Sieh an, da wurde ich doch schon erwartet .:-) Nachdem die Frage nach dem ja oder nein für ein Neuseeland- Visum geklärt war, dauerte die Zeremonie doch noch etwas länger und die gute Frau ging mit meinem Pass zum Kollegen am Nachbarschalter. Und es dauerte und dauerte und dauerte. Es wurde eine  weitere Kollegin dazu geholt und im Computer akribisch rum gehackt. Nach 15 Minuten kam dann die erlösende Nachricht mit einer netten Entschuldigung, das System hatte ein Problem mit meinen Vornamen, aber alles sei in Ordnung. Auf meine Frage, ob ich jetzt überhaupt noch einen Platz im Flieger bekomme, sagte die junge Frau doch tatsächlich: nein, lachte amüsiert und meinte, man bietet mir ein Upgrade an und ich kann Business-Class fliegen. Darüber war ich natürlich nicht traurig. Ich habe meine Verspätung entschuldigt, aber sie meinte, kein Problem, ich hätte ja noch Zeit.

Der Flug nach China gestaltete sich seeeehr entspannt, ich hatte einen sehr netten Nachbarn, ein Mann aus China, der durch seinen Job sehr viel in der Welt unterwegs ist, sehr  gut englisch sprach und auch gerne Wein trank. So hatten wir viel Spaß und haben uns durch das reduzierte Weinangebot der ersten Klasse probiert, ich glaube es waren 6 Sorten Rot-und Weißwein. Jedenfalls habe ich super geschlafen, im wahrsten Sinne des Wortes „wie im Himmel“ 🙂

Nach dem unvergesslichen Flug, mit der wirklich sehr guten Airline China Southern Air, wartete schon der nächste Klops im Flughafen Guangzhou auf mich.

Ich bin am Morgen in Guangzhou gelandet und nachmittags sollte mein Flug nach Auckland anschließen. Nur fand ich auf der Anzeigetafel hinter der Flugnummer das schockierende Wörtchen: cancelled. Toll !!! Ist mal wieder eine Abwechslung im Reiseplan, warum auch nicht. Komisch, aber ich blieb ganz ruhig. Da chinesisch nun nicht gerade meine Sprache ist, auch dort im riesigen Flughafen nicht jeder Mitarbeiter die englischen Sprache bevorzugt , bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt mit Pictogrammen, viel chinesischen Schriftzeichen, ein paar englischen Vokabeln  und musste mich erst mal orientieren. Schitt, wohin jetzt ? Irgendwann fand ich dann den entsprechenden Schalter mit drei netten Damen, die mir erklärten, ja, der Flug ist gecancelled ! Warum habe ich nicht verstanden oder haben sie auch nicht gesagt, nur soviel, der Flug nach Auckland startet in der Nacht um 0:15 Uhr. Bevor ich platzen konnte, wurde mir mitgeteilt, dass uns für die lange Wartezeit ein Hotel zur Verfügung gestellt wird, natürlich kostenfrei. So wurden wir, fünf weitere Personen aus Deutschland und ich, in ein sehr schönes Luxushotel gefahren und konnten es uns die vielen Stunden bis zur Abholung sehr gut gehen lassen. Das Essen und der Service waren toll und das Zimmer war eine Wucht. WLAN habe ich intensiv für Telefongespräche mit Familie und Freunden in der Heimat genutzt, denn diese Story musste auch erst mal aus mir raus. 🙂 🙂 😉

Der Flug nach Auckland klappte prima, mit überpünktlicher Landung. Strahlender Sonnenschein, sehr nette Beamte und keinerlei Probleme mit Gepäck und Einreiseformalitäten machten mir die Ankunft sehr angenehm. Es gab  dann noch ein Missverständnis mit dem gebuchten Bus von Auckland nach Whangarei, aber das möchte ich euch jetzt ersparen. Schließlich bin ich gut in Whangarei angekommen und habe mich irrsinnig gefreut, als ich Rainer an der Bushaltestelle gesehen habe.

Am Samstagabend ca.23:00 Uhr kam ich auf der Trinity an, glücklich, müde und  bester Laune. Nach 14 h, die ich komplett durchgeschlafen habe, begann dann wieder mein Leben als Seglerfrau.

Mit den üblichen Arbeiten: putzen, räumen, waschen, kochen… gestalteten sich die Tage. Und auch hier wieder das starke Empfinden, wie schnell doch die Zeit vergeht. Einige Ausflüge per Fahrrad oder Auto nach Whangarei, insbesondere zum Einkaufen und ein Ostermontagkaffeetrinken mit ein paar Segelfreunden hier, haben wir bei gutem Wetter genossen.

Eine Nachricht hat uns dann auch sehr geschockt. Zwei Segelfreunde, Hanne und Kalli mit ihrer „Silbermöwe“, sind noch vor meiner Ankunft hier, in Richtung Neukaledonien gestartet. Obwohl es Warnungen wegen der Herbststürme gab, sind sie los um auf ihren Törn nach Indien keine Zeit zu verlieren. Leider hat es sie dann doch stark erwischt und sie sind mitten in den Zyclon „Cook“ gekommen. Das Schiff kenterte durch und als sie mitten im Auge des Zyclon’s waren, hat Kalli den Mast kappen müssen, da eine Want gebrochen war und sie um ihr Leben fürchteten. Mit viel Glück erreichten sie , leicht verletzt, unter Motor Neukaledonien. Letzte Woche erreichte uns eine Mail von den Beiden, die uns alle glücklich machte. Es geht ihnen gut und sie lassen ihre Silbermöwe wieder reparieren. Bewundernswert die Zwei, die auch nicht mehr die Jüngsten sind. Wir freuen uns und haben dementsprechend großen Respekt.

Rainer mit der netten Karen aus dem Marina Office

Am Montag,24.04., hatten wir um 13:30 Uhr unseren Slipp-Termin. Endlich, Trinity bekommt wieder Wasser unter’m TwinKiel. Irgendwie verspätete sich die ganze Aktion. Kurz nach 15:00 Uhr hing unser Schiff endlich am Kran. Rainer hat noch fix die Kielunterflächen mit Antifouling gestrichen, das geht halt nur wenn das Schiff schwebt ;-). Ich blieb an Bord und beobachtete das Geschehen. Kurz bevor der Traveler-Lift uns ins Wasser absenkte, kam Rainer auch an Bord. Alles lief gut, die Gurte waren fest und hielten unser 16 Tonnen-Mädchen sicher. Ein großartiges Gefühl wieder im Wasser zu sein ! 🙂

Jetzt begann die Arbeit für eine Hundertschaft Schutzengel !!!

Der Motor sprang an, ich habe noch gefleht, dass auch alles mit dem Rückwärtsgang klappt( Franz,du kennst  ja diese Trinity-Schwachstelle gut :-),auch das klappte. Nur wir kamen nicht vorwärts. Schreck,Schreck,Schreck !!! Mit dem Heck waren wir schon fast in den Mangroven, Rainer war geschockt, was passiert hier gerade?

Unser Freund Heiner stand mit aufgerissenen Augen vorne an der Seite der Pier und rief uns zu: „Was macht ihr denn da ?“ Ja, das hätten wir auch gerne gewußt. Sekunden der Panik vergingen und Trinity reagierte weder mit der Schaltung noch mit der Steuerung.

Bis Rainer in den Motorraum stürzte, per Hand das Getriebe schaltete und dann auch merkte, dass die Steuerung entgegengesetzt reagierte. Wir sahen uns schon an den Pier knallen und ich konnte nur noch meine Haare raufen und schrie Rainer zu, er sollte doch bitte etwas machen. Aber was ???  Wieder drehten wir uns, Zentimeter trennten uns nur vom Pier.  Rainer steuerte entgegengesetzt und Trinity reagierte endlich und wir befreiten uns so aus der gefährlichen Situation. Das war aber wirklich mehr als knapp. Vielen Dank ihr Schutzengel !!!

Dieses Schiff hat seinen Namen alle Ehre gemacht: TRINITY: Glaube, Liebe, Hoffnung !!!

Noch vor der Marina ließen wir den Anker fallen und sammelten uns, realisierten diesen Stressmoment und Rainer machte sich an die Reparatur. Fazit: das Schaltgestänge war gebrochen und bei der Steuerung hatte Rainer aus Versehen bei der Montage des Zylinders  die Hydraulikschläuche vertauscht. Nach 4 h war alles wieder behoben und wir konnten am Dienstagmorgen unseren Törn Richtung Opua starten.  Glück gehabt !!! 🙂

Unsere Planung haben wir auch geändert. Wir segeln nicht noch einmal nach Tonga und dann weiter nach Samoa. Es wäre zeitlich etwas zu knapp und man weiß nie, ob sich doch noch so ein Herbststürmchen in dieser Gegend tummelt. So sind wir in den Vorbereitungen auf unseren Törn nach Fiji. Dort werden wir Segelfreunde aus der Schweiz treffen und uns in aller Ruhe auf den Besuch von Freunden aus Salzkotten vorbereiten. 🙂

Bevor wir uns gestern, 29.04.,hier in Opua an eine Boje gelegt haben, lagen wir zwei Nächte in Pahia und eine Nacht in Russel vor Anker. Russel kannten wir ja schon und weil diese kleine Stadt im Frühling schon so reizvoll auf uns wirkte, haben wir vorgestern hier noch einmal einen Spaziergang entlang der wunderschönen alten Baumallee und den hübschen kleinen Häusern gemacht, die mit ihren farbenprächtigen, riesengroßen Hibiskus Blüten in den Vorgärten herrlich anzuschauen sind.

Und siehe da, sogar deutsche Prominenz tummelt sich in der Bay of Island. Ganz entspannt bummelten Frank Plasberg mit seiner netten Frau Anne Guysthusen und Sohn hier. Warum auch nicht. 😉

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