Reisebericht von unseren Mitseglern Elsmarie und Robert

Montag, den 12.06.

Nach einer langen Anfahrt mit Zwischenlandungen in Singapore und Sydney haben wir uns für die erste Nacht in einem kleinen Hotel einquartiert. Ausgeschlafen gehen wir mittags an Bord der Trinity und bleiben erst mal in der Marina.

Nach gemeinsamen Einkäufen, Essen und Kennenlernen der Marina sowie des Bootes, fahren wir los.

Die Vuda Marina ist ein kleiner idyllischer Hafen. Das dazugehörige Restaurant liegt an der Hafeneinfahrt mit Blick auf das offenen Meer.  Es gibt schöne Außenplätze unter schattigen Bäumen. Dort kann man sensationelle Sonnenuntergänge erleben.

Robert und ich gewöhnen uns allmählich an das Schiff.

Mittwoch, 14.06.:

Bei etwas bewölktem Himmel und gutem Wind starten wir unsere erste Fahrt.
Ziel ist die Insel Malolo. Dort ankern wir, gehen schwimmen und kochen am Abend zum ersten Mal selbst. Wir genießen das gute Essen an Bord und haben einen netten Abend.  Leider wird es  um 18.00 h schlagartig dunkel. Ab 17.30 h setzt die Dämmerung ein. Wir gehen früh ins Bett und fallen schnell in einen tiefen Schlaf.

Donnerstag, 15. Juni:

am Morgen klettere ich aus der Kabine. Noch etwas verschlafen stehe ich oben im Cockpit. Es ist ungefähr 7.30h. Ich sehe ein unglaubliches Licht. Die Insel vor uns leuchtet in der goldenen Sonne, davor  das tiefblaue Meer. Ich gehe gleich schwimmen und bin überrascht. Das Wasser ist angenehm warm und trotzdem erfrischend. Die Wassertemperatur beträgt schätzungsweise 26 °C.
Für einen Kälte empfindlichen Menschen wie mich ist das optimal.

Wir fahren weiter nach Mana und sehen eine wunderschöne kleine Insel,  eine paradiesische Landschaft. Unglaublich viele Grüntöne, tiefblaues,  türkisfarbenes Meer.
Der Landgang gestaltet sich jedoch sehr kurz. Hier werden Filmaufnahmen gemacht, und der größte Teil der Insel ist gesperrt. Wir finden direkt am Strand ein sehr einfaches Restaurant, das wohl zu einer Tauchschule gehört. Hier sind einige junge Leute, um zu tauchen und zu schnorcheln. Das Essen ist unerwartet schmackhaft und gut angerichtet. Wir fahren in der Dunkelheit mit dem Beiboot zurück. Das klappt sehr gut. Jetzt sind wir wieder an Bord. Es bläst ein starker warmer Wind.

Morgen fahren wir nach Waja, eine von den vielen kleinen nördlichen Inseln Fijis.
Robert ist begeistert von der bunten, einzigartigen Unterwasserwelt, die durch seine neue Tauchermaske sichtbar wird. Vielleicht probiere ich es auch einmal.

Freitag, 16. Juni:

Um 9.00 h laufen wir aus bei gutem Wind. Wir können eine Weile segeln mit einer Geschwindigkeit von 5-6 Knoten. Wir erreichen die Bucht von Waja. Kurz vor Ankunft treffen wir einen einheimischem Fischer, der uns zwei (vermutlich) Red Snapper verkauft. Sie schimmern rosa und sind ganz frisch gefangen. Rainer und Robert machen sich nach dem Anlegen an die Arbeit und nehmen die Fische aus. Ute zieht sich in die Küche zurück, kocht Fischsuppe und bereitet das Abendessen vor.

Rainer und Robert gehen vor dem Essen noch an Land, um Brot zu kaufen.
Sie kommen mit Obst zurück, das man ihnen geschenkt hat. Also werden wir morgen zum Frühstück Müsli essen. Sie haben sehr nette Einheimische getroffen mit denen sie am Strand Tee getrunken haben. Sie erzählen, dass man hier 1957 das letzte Mal Menschen verspeist hat.
Jetzt ist es nicht mehr üblich! Glück gehabt (!)

Es liegt noch ein australisches Segelboot mit uns in der Bucht. Keine weiteren Touristen.

Jetzt ist es gleich 17:30 h, und die Sonne geht unter. Es ist ein sehr schöner ruhiger Abend in der Bucht. Bald gibt es Abendessen. Gebratenen Fisch mit Kartoffeln und einem sehr leckeren Salat.
Die Köchin wird gelobt. Alle sind satt und zufrieden.  Es war ein wunderbarer Tag auf dem Boot.

Sa., 17. Juni

Wir sind in einer Bucht vor Naviti. Am Nachmittag fahren wir an Land und werden, wie überall,
sehr freundlich begrüßt. Die Kinder sind begeistert vom Dinghi. Sie lachen und toben über den Strand. Wir sprechen mit ein paar Inselbewohnern, die sich am Strand aufhalten. Ein vierzehnjähriges Mädchen übernimmt es, uns die Insel zu zeigen.  Sie spricht gutes Englisch. Die Kinder nehmen uns an die Hand und los geht es.
Sie zeigen uns ihren kleinen Ort, die aussieht wie Bullerbü in einem anderen Land. Wir fühlen uns wie aus dem  Bilderbuch in die Südsee versetzt.

Der kleine Ort, völlig verlassen, unter Palmen. Keine Straßen,  rosa, blaue, gelbe Häuschen aus Holz mit kleinen Gärten davor. Alles in eine üppige Vegetation gebettet. Die Blumen und Sträucher, die  wild wachsen, kennen wir nur aus Blumentöpfen für die Fensterbank.  Wir gehen zur hiesigen Schule mit einem schönen, relativ großen Sportplatz und zur Kirche. Die Kinder haben großen Spaß mit uns.
„What is your name?“ ist die Frage, die sie immer wieder stellen. Sie lachen über unsere komischen Namen. Der Name „Robert“ gefällt ihnen am besten. Hand in Hand gehen wir mit den Kindern durch dieses kleine Paradies. Einkaufen können wir nicht.

Sie kaufen alles im „Mainland“ (Viti Levu) ein, woher wir kommen. Das heißt, sie müssen viele Kilometer mit dem Boot zurücklegen, um zum Supermarkt zu kommen. Wir müssen ohne Brot zurück, und Ute muss backen.

Unser Rundgang ist beendet. Wir geben der jungen Reiseführerin ein paar Dollar und verabschieden uns. Einige Jungen haben für mich ein paar Blumen gepflückt, die wir mit an Bord nehmen. Wir fahren mit dem Dinghi wieder zurück zum Boot. Die Kinder lachen und winken uns hinterher.

So. 18. Juni

Rückfahrt in die Vuda Marina nach stürmischer Nacht.
Wir brechen bei gutem Wind auf und können richtig gut segeln. Es ist super.
Dann lässt der Wind nach. Wir fahren mit Motor weiter. Wir sehen einen einsamen Tänzer auf einem Felsen.

Gegen 16.30 Uhr kommen wir in der Marina an. Wir fahren im goldenen Sonnenlicht in den idyllischen Hafen ein. Die Menschen  winken uns freundlich zu. Wir hören schöne Musik life aus dem Restaurant – sehr stimmungsvoll. Das Anlegen geht relativ entspannt. Wir gehen duschen und machen uns schön für das Abendessen, das wir dieses Mal nicht selbst kochen.

Mo. 19. Juni

Heute ist Einkaufstag. Wir fahren mit dem Bus nach Laudoka, was ein Erlebnis ist.

Im Linksverkehr prescht der Busfahrer durch die Straßen. Der Bus ist fast voll mit Einheimischen und uns. Sie sehen uns recht interessiert und freundlich an. Bei offenen Fenstern kann man die hohe Temperatur gut ertragen. Wir haben eine gute Aussicht in die Landschaft.
Mir fällt auf, dass es viele dicke Frauen gibt, entweder schwanger oder einfach nur dick.
Sie strahlen Zufriedenheit aus, und fast alle tragen eine Blüte hinterm Ohr. Sie sind bunt gekleidet und tragen Flip Flops. Selten sieht man jemanden mit Schuhen.

Wir bezahlen den Bus beim Aussteigen. Das geht sehr entspannt.

Laudoka ist eine mittelgroße Stadt mit Banken, Geschäften, Cafés, Groß- und Supermärkten.
Wir gehen zuerst in die Markthalle mit Obst und Gemüse. Fast alle Stände werden von Indern betrieben. Wir kaufen reichlich Obst und Gemüse ein.
Danach kaufen wir den „Rest“ im Supermarkt. Die Auswahl der Produkte gestaltet sich etwas schwierig zu viert. Aber spätestens an der Kasse sind wir froh zu viert zu sein. Es gibt schrecklich viel zu tragen. Ute findet sehr schnell ein super geräumiges Taxi, das uns und unsere üppigen Vorräte sicher in den Hafen zurückbringt.

Am Boot wieder angekommen, dürfen Robert und ich uns verdrücken. Wir gehen in die Marina Bar und trinken einen super leckeren Eiskaffee. Dort sitzen wir unter einem Bambusdach sehr bequem und auch kühl durch den Wind vom Meer.
Ute und Rainer räumen die Vorräte ein. Wir verbummeln den restlichen Tag.

Am Abend erleben wir etwas sehr Schönes.
Wir gehen zum Essen in ein benachbartes Resort „First Landing“ zum Essen. Es ist schon stock dunkel. Das Restaurant der Anlage liegt fast direkt am Strand. Wir nehmen Platz an einem weiß gedecktem Tisch im Kerzenschein. Wir bekommen sehr phantasievoll angerichtete Speisen, die wunderbar schmecken. Eine Band spielt leise angenehme Musik.
Dann beginnen die Kellner und auch andere Mitarbeiter des Resorts zu singen. Wir können nicht weiter essen, weil der mehrstimmige Gesang so wunderschön ist. Sie singen an den Tischen der Gäste, die das Resort am folgenden Tag verlassen werden. Sie sehen in ihren farbenfrohen Kleidern  wunderschön aus. Wir sind ganz ergriffen von dieser Stimmung. Ute bekommt noch ein hausgemachtes Kokos Eis als Dessert, das ihr sehr gut schmeckt. Dann sind alle satt und zufrieden.
Wir machen noch einen kleinen Spaziergang am Strand und gehen über eine beleuchtete Brücke, die auf eine kleine Insel.  Sie gehört zum Resort und wird für Filmvorführungen auf einer Großleinwand genutzt.

Wir gehen zurück zum Boot und sind uns einig. Hierhin werden wir noch einmal gehen. Dieses war ein wunderschöner Abend.

Di., 20. Juni 

Heute gibt es eine Sight-Seeing-Tour mit Abdul, unserem Taxifahrer, der immer vor der Marina steht. Abdul ist ein sehr gesprächiger und lustiger Typ.
Zuerst geht es ins Gebirge in einen Orchideen Park unterhalb des „sleeping giant“.
Der „sleeping giant“ ist der höchste Berg auf Fiji. Seine Kuppe zeigt die markanten Linien eines liegenden Kopfes, woran sich der liegende Körper anschließt. Der Kopf trägt das seitliche Profil eines Gesichtes. „Sleeping giant“ heißt schlafender Riese. Man soll ihn nicht stören. Sonst gibt es Unwetter.
Wir halten uns daran und gehen still in den Orchideenpark. Dort herrscht eine  hohe Luftfeuchtigkeit, doch das, was es zu sehen gibt, ist unglaublich schön und exotisch.

Ein wunderbar angelegter Park mit einem Teich und kleinen romantischen Plätzen zum Verweilen.  Die Pflanzenvielfalt ist unglaublich groß und sehenswert. Orchideen leuchten in vielen Farben und unterschiedlichen Arten. Wir sind fasziniert und machen viele Fotos.
Am Ende des Spaziergangs gibt es noch einen fruchtig kühlen Erfrischungsdrink.

Abdul wartet schon und weiter geht es.

Jetzt geht es ins „Mud Bath“. Leute, das ist der Brüller! „Mud Bath“ bedeutet Schlammbad auf Deutsch. Es geht darum, sich in mineralhaltigem Schlamm einzupacken, der der Haut sehr gut tun soll. Wir kommen in ein gepflegtes ruhiges Areal mit kleinen Hütten und unterschiedlichen Teichen, deren Funktion wir dann noch kennenlernen sollen. Wir haben einen schönen Ausblick auf die vor uns liegende Gebirgskette – sleeeping giant.

Dann geht es los! Wir ziehen unsere Badesachen an und bekommen eine kleine Führung zu den heißen  Quellen. Dort kommt jede Menge Wasser aus dem Boden mit einer Temperatur von über 70 Grad. Wir gehen zum Schlammteich. Vor diesem Teich stehen Behälter mit Schlamm, den wir uns auf unsere „alten“ Körper schmieren. Auch ins Gesicht. Womit ich natürlich erst mal ein Problem habe.
Wir sehen selten matschig aus (!) und werden natürlich fotografiert zur Erinnerung,  und weil es lustig ist. Jetzt muss der Schlamm einziehen bis die Schicht trocken ist und ein wenig spannt. Das fühlt sich gut an, wie eine Maske, die alles straff macht. Wir hoffen auf die unmittelbar eintretende Verjüngung.

Jetzt gehen in einen kleinen Teich und sollen den gröbsten Schlamm abwaschen. Wir sacken in eine  undefinierbare weiche Masse am Boden bis zu den Knien ein. Das ist so ekelig aber auch mit Kitzeleffekt, dass Ute spontan einen Lachanfall bekommt. Man kann nichts sehen, nur diese ekelig weiche Masse fühlen, die wahrscheinlich aus abgewaschen Schlamm besteht.  But nobody knows! Okay, dann geht es in klares sauberes Wasser für die Endreinigung. Das ist angenehm, aber schön heiß! Obwohl auch die Außentemperatur relativ hoch ist, ist es erfrischend, heiß zu baden.
Sobald wir sauber sind, gehen wir nicht abgetrocknet in das Massagehaus.
Wir bekommen eine sehr wohltuende Massage mit Kokosöl. Wir fühlen uns danach wie neu geboren.

Weiter gehts mit Abdul nach Nadi. In Nadi besichtigen wir einen Hindu Tempel, den größten auf der südlichen Halbkugel, der für die vielen dort lebenden Inder gebaut wurde. Wir erhalten Einblick in die indische Götterwelt, jedoch in einem indisch gefärbten Englisch, was nicht leicht zu verstehen ist.
Es ist interessant und schön bunt anzusehen, aber auch befremdlich für uns, die wir nur an einen Gott glauben. Auf Fiji leben sehr viele Inder, die von der früheren Kolonialmacht England zu Anfang des 20. Jahrhunderts als Arbeitskräfte hierher gelockt wurden. Viele haben sich hier zu wohlhabenden Geschäftsleuten entwickelt. Daher sind sie bei der einheimischen Bevölkerung nicht allzu beliebt.

Nächstes Jahr wird der Tempel renoviert. Gegen eine Spende hätte man nichts einzuwenden. Wir halten uns diskret zurück.

Abdul bringt uns wieder in die Marina. Wir lassen den schönen Tag ruhig ausklingen.

Mi. 21. Juni

Noch immer kein Wind und schwüle Hitze, die uns den Schweiß aus allen Poren treibt.
Bei mir werden Erinnerungen an Thailand wach. Ich schreibe im Central Point ein paar Nachrichten nach Hause dank Internet. Dabei beschlägt ständig meine Brille trotz Platz im Schatten und Dach über dem Kopf.

Heute Nachmittag fahren wir raus. Auf dem Meer sind die Temperaturen besser auszuhalten.
Wir ankern vor dem uns schon bekannten Resort „First Landing“ und gehen schwimmen.  Wunderbar erfrischend, doch leider werden alle im Wasser von irgendwas gestochen, so dass einzelne Hautstellen mit kleinen roten Pickeln bedeckt sind. Diese Einstiche jucken aber nicht und sind nach einer gewissen Zeit wieder verschwunden.

Um 17.00 Uhr gehen wir mit dem Dinghi von Bord. Wir wollen noch einmal im Restaurant des Resorts essen und vorher etwas trinken. Wir kommen an im leuchtenden Abendlicht. Was wir jetzt sehen, der Strand, das Resort mit seinen Außenplätzen, ist unbeschreiblich.  Alles ist eingetaucht in ein unwirkliches Licht. Soviel Schönheit! Ich bin begeistert und suche vergeblich den Fotoapparat. Palmen, die sich im Wind wiegen, bunte exotische Pflanzen, der Strand und das Meer im Licht der untergehenden Sonne , leise Musik, leises Meeresrauschen und „Happy Hour“ .

Wir setzen uns an die Bar und trinken ein Glas. Später dann sitzen wir an einen schön gedecktem Tisch unter einem Bambusdach des Pavillons mit Blick auf den Strand und das Meer. Jeder bekommt eine Stoff Serviette auf seinen Schoß gelegt.  Später wird das Essen serviert. Wie schon beim letzten Mal schmeckt es köstlich. Wir fühlen uns sehr wohl.
Auf dem Weg zurück zum Dinghi sehen wir eine private Feier direkt am Strand mit Tanzdarbietungen von Einheimischen für Touristen. Wir sehen noch eine Weile fasziniert zu. Zum Schluss gibt es noch eine Feuershow. Sensationell !

Die Rückfahrt mit dem Dinghi bei Flut und ein wenig Nebel wird abenteuerlich. Ich habe zum ersten Mal Angst. Es ist sehr dunkel. Wir müssen ständig auf Wasseruntiefen achten, um nicht aufzulaufen. Natürlich schwappt auch eine Welle ins Boot, und wir werden alle nass.
Ich sehe weder die Trinity noch irgendwelche Untiefen. Aber die anderen drei kriegen es hin.
Wir kommen sicher auf dem Boot an. Halleluja! Wir gehen sofort ins Bett.

Do. 22. Juni

Noch einmal werden Abduls Dienste benötigt.
Wir fahren in einen großen modernen Supermarkt, der in Richtung Flughafen Nadi liegt.
Schwer beladen, gut ausgerüstet für die bevorstehende 5-tägige Überfahrt nach Vaneatu kommen wir zurück. Wir fahren nochmals zu einer kleinen hübschen Insel , um dort vor Anker zu gehen und zu baden. Die morgendliche Schwüle ist abgeklungen. Es hat sich leicht bewölkt. Der Fahrtwind ist wohltuend.

Ein paar Worte über die Einheimischen auf Fiji.
Die Männer, die in Hotels, Bars und Restaurants arbeiten, tragen lange Röcke und auch eine Blume hinter dem Ohr. Sie sehen keineswegs albern aus sondern eher anmutig. Alle tragen Flip-Flops, und fast niemand trägt Schuhe. Die Menschen sind überaus geduldig und freundlich. Niemand hat Stress oder macht Stress. Den scheint es nicht zu geben. Man hat Zeit. Die Menschen sind stets offen und hilfsbereit. Ein Gespräch ist immer willkommen.
Ich habe mich mit einer dicken älteren Dame, die den Wasch- und Putzservice in der Marina macht, oft unterhalten. Sie konnte nicht viel Englisch. Aber die wenigen Worte, die sie zur Verfügung hatte, waren so herzlich, dass diese Frau mir sehr angenehm war. Sie hat sich um meine verschwundene Bikinihose bemüht, die ich dort im Trockner scheinbar vergessen hatte.
Doch zu ihrem und meinem Bedauern blieb die Hose verschwunden.

Freitag, 23. Juni

Heute werden wir Fiji verlassen.
Nach dem Frühstück warten wir lange auf die Ausklarierung.
Es ist sehr schwül und zeitweise bewölkt.

Vanuatu soll noch schöner sein als Fiji. Wir sind gespannt und hoffen auf Wind und das Ausbleiben eines Sturms(!) Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Das ist sicher auch gut so.

Der zuständige Staatsbeamte, der unsere Pässe für die Ausreise abstempeln muss, lässt sich leider sehr viel Zeit. Er kommt nicht zu uns aufs Boot, wie ursprünglich verabredet. Wir müssen mit dem Dinghi nochmals in die Marina, weil er dort ein Büro hat. Er möchte uns alle vier sehen.
Okay, auf gehts. Wir warten zwei Stunden vor seinem Büro. Dann ist es soweit.
Zurück an Bord bekommen wir sehr schnell Besuch vom Zoll. Sie tragen dunkle Overalls und Schutzhelme und fahren zu sechst auf einem Motor Schnellboot. Zwei,  eine Frau und ein Mann kommen an Bord und sehen sich unsere Ausreisepapiere an. Alles ist okay. Sie wünschen uns eine gute Reise. Wir fahren los. Es ist 14.30 Uhr. Wir kommen in ein kleines Regengebiet. Es sind aber nur ein paar Tropfen. Der Wind wird stärker. Wir segeln in eine atemberaubende Abenddämmerung.

Zum Abendessen ankern wir nochmal. Das wird jedoch schwierig. Wir geraten in komische Gewässer. Ankern aber trotzdem. Ute hat das Essen fertig. Sie hat einen mega leckeren Auflauf für uns zubereitet. Es gibt auch ein köstliches Dessert. Unter diesen Bedingungen eine Meisterleistung der Köchin. Dann müssen wir schnellstens diesen Ankerplatz wieder verlassen.
Wir fahren weiter und alles ist ruhig.

Wir gehen ins Bett. Doch an Nachtruhe ist nicht zu denken. Der Wind nimmt zu und wir segeln.
Das Schaukeln macht uns keine Probleme, aber das Quietschen der Steueranlage.
Ich nehme Schlaftropfen und kann schlafen. Robert übernimmt ab 1.00 Uhr die Nachtwache
bis 5.00 Uhr. Er schläft weder vorher noch nachher.

Der Wind nimmt immer mehr zu und damit auch die Geschwindigkeit des Bootes. Wir kommen gut voran, müssen uns aber an das extreme Schaukeln des Bootes gewöhnen.
Wir schlafen alle nicht gut und versuchen am folgenden Tag den fehlenden Schlaf nachzuholen.

Samstag, 24. Juni

Der Tag beginnt ruhig. Wir können ausgiebig frühstücken. Rainer tauscht die pneumatische Steueranlage gegen eine Windsteuerung aus. Jetzt ist es ruhiger.

Wir kommen gut voran mit ca. 6 Knoten. Jeder döst vor sich hin oder liest.
Das Wetter ist nicht so toll. Meer und Himmel sind zum ersten Mal  grau. Das Meer gleicht flüssigem Blei. Am Nachmittag lockert sich die Bewölkung, die Sonne scheint, und das Meer wird wieder blau.
Wir sitzen beim Nachmittagskaffee und Kuchen, denn heute ist für uns alle vier Hochzeitstag.  Plötzlich sieht Rainer einen Delphin.
Wir gehen nach vorn und sehen ca. 20 Delphine in unmittelbarer Nähe des Bootes.
Sie kommen ganz nah und begleiten uns eine Weile. Sie hätten vielleicht gegen ein Gespräch nichts einzuwenden. Einige springen sogar hoch. Das ist wirklich schön anzusehen.  Wir sind begeistert.
Leider sind sie  bald verschwunden.

Das Gleiten des Schiffes durch die wogenden, sich manchmal erschreckend hoch auftürmenden Wellen, die fast aussehen wie Berge, ist ein wunderbares Erlebnis. Man fühlt sich losgelöst und entrückt in eine andere Welt. Das Schiff gibt uns auch bei Schieflage ein sicheres Gefühl.

Die Bewegungen an Bord sind stark eingeschränkt. Die ersten Teller fliegen durch die Gegend.
Die Inhalte der Schränke kommen uns entgegen, sobald die Klappe geöffnet wird.

Ute hat wieder auch auf dem stark schwankenden Boot, unter größtem Einsatz ihrer körperlichen Geschicklichkeit, ein gutes Essen gekocht. Wir lassen es uns schmecken, aber das geplante Spiel lassen wir sausen, weil es einfach zu sehr schwankt.
Wir sind seit 1,5 Tagen unterwegs und haben schon einen großen Teil der Strecke zurückgelegt.
Sonntag, 25. Juni

Die Sonne scheint wieder. Der Himmel und die See sind strahlend blau. Optimales Segelwetter bei einer Geschwindigkeit von 5-6 Knoten.

Auf einem Boot sind viele kleine Dinge zu beachten, die im normalen Leben keine Rolle spielen.
Wir lernen jeden Tag dazu und bemerken, dass der persönliche Komfort von Tag zu Tag abnimmt.

Das Schaukeln macht uns nichts aus. Wir werden nicht seekrank. Aber das Schlafen in der Nacht ist unser gemeinsames Problem. Auch der Verzicht auf Kaffee.

Mo. 26. Juni

Der Tag beginnt sonnig, mit gutem Wind. Wir lesen und dösen vor uns hin. Alle müssen den fehlenden Schlaf aus der vergangenen Nacht nachholen.

Am Nachmittag gibt es selbstgebackenen Apfelkuchen, leider ohne Kaffee. Die Schaukelbewegungen des Schiffes machen selbst das Aufbrühen von Nescafé unmöglich.

Inzwischen lässt sich kein Schrank mehr öffnen, ohne dass alles herausfällt.
Wir haben uns einen merkwürdigen Gang angewöhnt.
Das Duschen an Bord ist nicht mehr möglich, da man auf dem Heck des Schiffes nicht mehr genügend Halt hat.

Di., 27. Juni 

Heute ist es fast stürmisch, bewölkt und etwas kühler. Wir haben 22 Knoten Wind.
Manchmal spritzt die Gischt ins Cockpit. Wenn man sich draußen aufhalten will, ist das nur noch im Cockpit möglich. Jetzt regnet es. Aber es sind nur ein paar Tropfen.

Wenn alles gut geht, sind wir morgen früh auf Vanuatu. Wir sind froh, bald an Land zu gehen.
Inzwischen haben wir uns entschlossen,  noch ein paar Tage Komfort in einem Hotel zu genießen und in Vanuatu von Bord zu gehen.  Voraussichtlich werden wir am Donnerstag das Boot verlassen.
Heute Nachmittag gibt es leckere Pfannkuchen als kleine Zwischenmahlzeit. Sie schmecken super.   Wir passen gut auf, dass sie nicht vom Teller fliegen.

Heute Abend sitze ich das erste Mal mit einer Regenjacke am Esstisch, weil der starke Wind kühl ist.

Mittwoch, 28. Juni

Hurra! Wir sind da. Heute um 1:00 Uhr in der Nacht auf Vanuatu angekommen.
Ich habe 12 Stunden geschlafen. Die ersten 6 Stunden auf fahrendem Boot und die zweiten
6 Stunden ohne Schaukeln und ohne Geräusche auf ruhigem Boot. Wunderbar! Sogar Robert hat geschlafen.

Wir frühstücken und sind alle gut gelaunt.

Wir fahren  mit dem Dinghi zum Zoll und Geld tauschen. Gleich müssen wir wieder an Land zur Einwanderungsbehörde. Es ist ein wenig kompliziert.
Unser erster Eindruck von Vanuatu ist sehr gut. Eine leicht hügelige grüne Insel mit einigen sehr schönen Häusern. Die Stadt Port Vila sieht vom Meer sehr einladend aus. Ute und ich hoffen auf ein schönes Café, in das wir einkehren können.

Doch zuerst müssen wir zur Einwanderungsbehörde und den Stempel für unseren Pass abholen.
Wir fragen uns so durch und finden schließlich die Behörde in einem weißen Gebäude auf dem Berg gelegen. Es ist 14.55 Uhr. Die Behörde schließt um 15.00 Uhr. Aber zum Glück nehmen sie sich Zeit für uns, und wir bekommen unseren Stempel ohne Probleme.

Auf unserem Weg zurück in die Stadt sehen wir viele Geschäfte, Bars und Restaurants.
Leider sehen die Geschäfte in einigen Straßen sehr nach „China Town“  aus.

Wir gehen in „Jill‘s Café“, das gleichzeitig auch Schnellrestaurant ist.
Dort gibt es leckeres Eis, Kaffee und Internet. Robert findet relativ schnell ein Hotel für uns und bucht ab dem morgigen Tag.

Wir kommen zum Markt in Port Vila, der zum Teil in einer großen Markthalle und zum Teil draußen unter Bäumen stattfindet. Viele schwarze Menschen in bunten Gewändern, die dort Obst, Gemüse Blumen, Holz und so allerlei Fremdländisches verkaufen. Es herrscht Abendstimmung. Die meisten  hier haben ihr Geschäft gemacht und sehen zufrieden aus. Man bemerkt das allmählich abnehmende Treiben des Tages und die beginnende Entspannung des Abends.  Eine angenehme Stimmung.

Wir gehen vor dem Abendessen in eine Bar direkt am Meer. Es gibt Happy Hour Drinks! Wie schön! Wir sitzen draußen und genießen das schöne Abendlicht der untergehenden Sonne.

In dem Restaurant  „Waterfront“  nehmen wir vorerst zum letzten Mal ein gemeinsames Abendessen ein, dessen Qualität leider etwas bescheiden ist. Na ja!

Donnerstag, 29. Juni

Nach dem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen ist Packen angesagt.
Ute und Rainer helfen uns mit dem Dinghi, das Gepäck an Land zu bringen.

Aller Abschied ist schwer – wir sind traurig. Ab jetzt trennen sich unsere Wege.

Ute und Rainer werden nach Port Resolution auf Tanna segeln, um Heiner und Ede zu helfen.   Heiners Boot wurde durch das Auflaufen auf ein Riff beschädigt und muss zurück nach Port Vila, um  dort wieder repariert zu werden.

Wir fahren mit dem Taxi nach „Ripples on the Bay“, ein kleines idyllisches Hotel etwas außerhalb gelegen. Wir beziehen einen Bungalow. Hier werden wir eine Woche bleiben und uns entspannen.

Am 04. Juli werden wir nach Fiji zurückfliegen, um dort noch ein paar Tage im Hilton Double Tree auf Sonnaysaly Island zu verbringen, bis es dann endgültig wieder nach Hause geht.

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