Martinique going south

Sainte Anne, Martinique nach Rodney Bay, St. Lucia – 21.12.
Bevor wir den ersten längeren Törn in Richtung Süden begannen, lagen wir eine Nacht in Sainte Anne vor Anker. Nach gutem Frühstück am Morgen ging es direkt auf zur ersten Etappe nach St. Lucia. Erstes Ziel für viele Yachtsegler, die aus Richtung Norden kommen, ist Rodney Bay im Nordwesten der Insel. Gute 22sm standen vor uns. Bei günstigen Windverhältnissen (ca 15kn aus NO) und mäßigem Wellengang war es ein rascher und kurzweiliger Wechsel zwischen zwei Kontinenten – zumindest politisch gesehen. Die sehr geschützt gelegene Marina in Rodney Bay war vollgepackt mit den Yachten der ARC (Atlantic Rally for Cruisers), welche noch am selbigen Tag auf ihre Siegerehrung warteten. Uns genügte eine Boje im hinteren Hafenbereich. Dies hat jedoch auch bedeutet, dass wir unserem BananaBoat – liebevoll „zitteriges Mäuschen“ genannt – den nächsten Vertrauensbeweis erbringen mussten…im ruhigen Marinabereich scheint sich unser Dinghy aber sehr wohl zu fühlen.
Rodney Bay nach Marigot Bay, St. Lucia – 23.12.
Zwei ruhige Nächte später legten wir ab und setzten unsere Reise in Richtung Süden fort. Kaum waren Groß- und Vorsegel gehisst, konnten wir sie nach den zügig zurückgelegten acht Seemeilen wieder einpacken. Bei oftmals gutem Wetter und ruhiger See wird unsere Trinity aufgrund der kurzen Distanzen zwischen den vielzähligen Buchten vor keine großen Herausforderungen gestellt.
Daher einige Worte über die Marigot Bay: In dem lokalen Reiseguide für St.Lucia wird diese natürlich gelegene Bucht vollmundig als eine der „schönsten Buchten der Karibik“ betitelt. Sehr grün, beschaulich mit einer kleinen, palmenbestückten Strandschneise, welche die eigentliche Marina von dem vorgelagerten Anker- und Mooringbereich trennt, lässt sich hier eine wirklich traumhafte Kulisse bestaunen. Ob der Superlativ letztendlich gerechtfertigt ist, lassen wir für den Moment so stehen und wollen am Ende der kompletten Reise darauf zurück schauen. Jedenfalls bietet diese Bucht nicht nur eine sehr gute Zufluchtsmöglichkeit vor einem Hurrikan, sondern eignet sich vorzüglich als Ersatz für das heimatliche Wohnzimmer um einen besinnlichen Heiligen Abend zu feiern. Bei Sauerländer Bockwürstchen und Rainers selbst gemachten Kartoffelsalat musste man nur die Augen schließen und das leichte Schaukeln des Bootes ausblenden um sich wie zuhause zu fühlen. Der freie WLAN-Zugang im Bereich der Marina war zudem sehr hilfreich, um mit den Liebsten zuhause per Skype Weihnachtsgrüße auszutauschen.
Marigot Bay nach Anse Chastanet (nahe Soufriere), St. Lucia – 25.12.
Am ersten Weihnachtsfeiertag spürten wir unsere Entdeckungsgier wieder aufflammen. Die Mooringboje schnell links liegen gelassen und Kurs in Richtung Süden. Auf unserer kompletten Reise segeln wir so gut wie ausschließlich entlang den beliebteren westlichen Ufern von Martinique, St. Lucia und St. Vincent. Diese, dem Atlantik abgewandte Seite, ist dichter besiedelt und bietet daher mehr Marinas, Buchten und Strände.
Nach wenigen Seemeilen erspähten wir einen kleinen Sandstrand – Anse Chastanet. Die Aussicht, hier an einer der wenigen Mooringleinen für eine Nacht ganz alleine zu liegen, war zu verlockend. Vom Boot aus lies sich zusätzlich sehr gut Schnorcheln. Während des Frühstücks wurden wir nebenbei in so manche Geheimnisse der einheimischen Fischereikunst eingeweiht.
Anse Chastanet nach Vieux Fort, St. Lucia – 26.12.
Mal schnell ausklarieren und auf nach St. Vincent – so zumindest war der Plan. Dass der einheimische Immigration Officer in Soufriere gern mal einen über den Durst trinkt oder sich ein kleines Tütchen genehmigt und dann einige Stunden nicht zu erreichen ist, konnten wir schlecht mit einkalkulieren. Ergebnis: Knapp drei Stunden Wartezeit – jedoch nur 30 Sekunden um den Ausreisestempel in den Reisepass zu bekommen. So waren wir gezwungen im Süden von St. Lucia eine weitere Nacht vor Anker zu liegen. Die Suche nach einer passenden Ankerstelle im Dunklen gestaltet sich selten als leichtes Unterfangen – besonders bei guter Strömung und gutem Wind. So auch in Vieux Fort, einer Bucht mit hauptsächlich industriell genutztem Hafen. Der fünfte Versuch gelang schließlich und wir genossen diesmal das Anlegerbier im Kerzenschein.

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