Kapverden, Sao Nicolau

Vorweg: es geht uns gut, wir sind seit dem 26.11. nachmittags unterwegs zum Zielort Le Marin auf der Karibikinsel Martinique. Geschätzte 17 Tage und Nächte werden bis zum Landfall vergehen.

Nachdem wir uns erstmal wieder an das Bordleben gewöhnen mussten (die Schaukelei machte mir gestern ein wenig zu schaffen und so verbrachte ich den Tag weitgehend liegend/ dösend im Cockpit), gibt es jetzt zu berichten. „Wenn Einer eine Reise tut, …“ Dieser etwas angestaubte Spruch kam mir in den vergangenen Tagen häufiger in den Sinn; er trifft nach wie vor zu 😉

Auf der landschaftlich sehr kargen Insel Sale, unserem ersten Anlaufpunkt der Kapverden, hielten wir uns nur kurz zum Einklarieren auf.

Das nächste Ziel ist die Insel Sao Nicolau. Wir steuerten im Morgengrauen die Bucht von Tarafal an. Unseren ersten Ankerplatz müssen wir umgehend wieder verlassen; die einheimischen „Hafenleute“ sind in heller Aufregung: wild gestikulierend und mit diversen Motorbooten durch Bucht und Hafen fahrend machen sie den Platz frei für ein einlaufendes Kreuzfahrtschiff. Ein relativ kleines Schiff, keine Aida- irgendwas; aber für diesen kleinen, touristisch noch unberührten Ort ein Riesenereignis.

Das nächste Highlight des Tages sollten wir liefern, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht 😉 Als wir vor Anker liegen, gibts erstmal Frühstück vor Bergkulisse mit wenigen Bäumen, darunter immerhin e i n e r Palme, nordafrikanisch anmutenden Häusern, am schwarzen Sandstrand spielenden Kindern und natürlich einem kleinen Hafen.

Nach dem Frühstück steht der erste Landgang an. Unser Beiboot „Mäuschen“, ein unter Langfahrern probates Bananaboot, ist schnell klargemacht und dann sind Rainer und ich bereit für die Expedition auf unbekanntes Terrain. Rucksack mit den wichtigsten Dingen dabei, frisches T-shirt angezogen und dann gehts los. Ich sitze achtern und sage den Kurs an, Rainer sitzt mittig und rudert. Etwas wacklige Angelegenheit, aber so ist das nun mal auf kleinen Booten. Wir fahren zwischen kleinen ankernden Fischerbötchen im Zickzackkurs zur Hafenmole, wo bereits eine größere Schar Jungen steht und auf ein kleines Zubrot durch Annehmen der Leine, Aufpassen auf das Dinghi oder Begleitung als Ortskundiger hofft. Doch bis dahin sind es für uns noch etliche Meter durchs Hafenwasser. Irgendwann merke ich, dass Wasser im Boot ist, sage zu Rainer: „Wir machen Wasser.“ Er meint, dass sei normal und am Vortag auch so gewesen. Nun ja, dann bin ich beruhigt. Doch der Pegel steigt weiter, diese Info an Rainer lässt ihn schneller rudern, denn wir wollen ja schließlich nicht mit nassem Unterteil ankommen. Noch ein paar Meter, es müsste gerade noch gut gehen. Doch weit gefehlt. Mein letzter Satz ist: „Wir saufen ab!!!“ und dann geht es auch schon in bester Titanicmanier mit dem Heck steil senkrecht in die Tiefe der Hafenfluten. Nach einer kurzen Schrecksekunde schwimmen wir unter den Augen des Hafenvölkchens (inzwischen hatten sich zu den eingangs erwähnten Jungs die Damen des lokalen Fischhandels sowie weitere Neugierige gesellt) an ein kleines, reichlich marode wirkendes Fischerboot, wo wir von einem hilfsbereiten Segler in sein Schlauchboot geladen werden. Zurück an Bord der Trinity, müssen wir leider feststellen, dass Filmkamera, Handy und Fotoapparat das Ganze nicht überlebt haben. Hoffentlich sind die Speicherkarten intakt geblieben.

Bei den nächsten Landgängen, die im Übrigen jedesmal trocken absolviert werden, stellen wir fest dass wir es durch dieses Ereignis zu einer gewissen lokalen Prominenz gebracht haben 😉 Doch dabei wollten wir es natürlich nicht belassen; was sich sonst noch zutrug, erzähle ich euch dann im nächsten Bericht. 😉

Ein Kommentar zu “Kapverden, Sao Nicolau

  1. Michael

    Ei der Daus! Ihr macht Sachen … immer wieder ein Genuss das zu lesen 🙂
    Aber so lange Euch das nur mit ‚Mäuschen‘ in Küstennähe passiert … in diesem Sinne eine gute Überfahrt über den großen Teich!
    Lieben Gruß
    Michael

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