Flug in die Karibik

Für mich war nicht nur das Segeln die spannende Unbekannte, sondern ebenso der Langstreckenflug. Aber der musste sein, wenn ich auf die Trinity wollte! Wie heißt es doch so schön: Der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen. Und in der Regel wird man belohnt.

Und wie ich belohnt wurde! Am Ende der 2 Wochen steht eine innere und äußere Horizonterweiterung; Freude an Sonne, Wind und Meer und am Segeln im Besonderen; viele gute Gespräche mit Franz und Angelika, Bierdeckelrätsellösen und eine nette Hafen-Segel-Zeit mit Andreas, viele gemeinsame Abendessen mit Kurt und Brigitte, das Kennenlernen von anderen Seglern – und ganz viele neue Erfahrungen.

Beim ersten Schritt aufs Wasser war ich geblendet, geblendet von Kurt (bzw. seiner Kopflampe). Er hat uns mit seinem Beiboot mit Gepäck und vielen Einkaufstüten in der Dunkelheit vom Steg zur in der Bucht von Soufriere ankernden Trinity gefahren. Dort wartete Andres sehnsüchtig; weniger auf uns als auf das gemeinsame Abendessen. Das brauchte ich nicht; stattdessen die erste Reisetablette. Schließlich hatte ich noch die Einreise nach St. Lucia zu verdauen. Mein Reisepass musste lange auf den ersehnten Stempel warten (erst wurde mein Rucksack durchsucht, dann wurde ich von einer Beamtin nach draußen begleitet und sollte Franz suchen; als ich ihn sehr erleichtert entdeckt hatte, musste er mitkommen und nicht nur seinen Pass, sondern auch die Bootspapiere vorzeigen – wie gut, dass er diese wegen der Einklarierung am Morgen noch im Rucksack hatte!). Dafür hat mich der Zollbeamte mit meiner Tasche einfach durchgewinkt, nachdem ich ihm sagte, den „blauen Zettel“ hätte ich ihm doch gerade schon gegeben. (Und Schwarzbrot, Mettwurst und Kaffee hatten die Einreise unbehelligt geschafft!)

In der ersten Woche sind wir von Soufriere über die Marigot Bay in die Rodney Bay gesegelt. Noch einmal, etwas weiter draußen, bei 20 – 25 Knoten Windstärke, hat mein Magen sehr zu kämpfen gehabt. Aber Dank der gerade noch rechtzeitigen Entscheidung von Franz, die Segel einzuholen und mit Motor in die Bucht zu fahren, habe ich keine „Fische gefüttert“ (Andreas, du hast mein Mitgefühl!). In der Rodney Bay waren wir einige Tage im Hafen; einerseits damit Franz Ersatzteile besorgen und den Motor des Beibootes checken lassen konnte und andererseits damit Angelika einen guten Einstieg ins Bootsleben hat.

Da Andreas mit dem Flugzeug zurück flog mit dem Angelika ankam, haben wir die Gelegenheit genutzt und sind mit einem Mietwagen nach Vieux Fort gefahren, unterbrochen von Zwischenstopps im Fischerdorf Anse la Raye, diversen Aussichtspunkten und einem letzen gemeinsamen Essen im Hummingbird. Und dann ging es zurück über die wesentlich angenehmer zu fahrende Straße durch das Innere der Insel nach Castries/Rodney Bay. Die Hinfahrt war schon eine Herausforderung: schmale Straßen, tiefe Schlaglöcher, hohe Bodenwellen, keine Seitenbefestigung – und das alles bei Linksverkehr. Wie gut, dass wir mittlerweile eine große karibische Gelassenheit entwickelt hatten!

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Nach einem weiteren Tag mit Mietwagen (Castries und Umgebung) und einer Nacht in der Ankerbucht der Rodney Bay wollten wir eigentlich zur Marigot Bay segeln; vorher nur noch einen Magenberuhigungstee. Auf meine Frage „ist es normal, dass so wenig Wasser kommt“ meinte Franz „die Wasserpumpe läuft nicht mehr“ und nach kurzem Innehalten „wir haben einen Gesamtstromausfall“. Ups! Und alle Achtung an Franz, der das Problem fachmännisch gelöst hat (die „Maschinenraum-Assistenz“ habe ich übrigens gerne gemacht!). Die Überfahrt haben wir auf den nächsten Tag verschoben und durften dafür noch eine recht stürmische Nacht erleben, in der der Wind ganz schön an der Trinity gezerrt hat. In der Marigot Bay haben wir dann noch den Ankerkettenzähler repariert – wir waren ja mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Aber nicht dass der Eindruck entsteht, wir hätten nur zwischen Werkzeugkoffer, Ersatzteilen und Maschinenraum gelebt. Ich habe die Freude am Segeln, insbesondere am Steuern entdeckt, habe mich gefreut, als der Wind endlich etwas stärker wurde und das Segel sich blähte, habe stolz mein erstes Anlegemanöver geschafft und nach dem ersten misslungenen Zusammentreffen mit einem Seil später motiviert die ersten Knoten gelernt.

Und dann war plötzlich der Tag da, an dem ich mich mit dem Taxi zum Flughafen begeben habe und zurück ins winterliche Deutschland geflogen bin. Danke Franz, für dein entspanntes Ruhen, während ich gesteuert habe (ich weiß, du hattest trotzdem alles mit einem Auge im Blick), für deine Geduld, als ich in den ersten Tagen mit dem Schaukeln des Bootes kämpfte und für alles überhaupt!

Claudia

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