Eindrücke von Gran Canarias Ostküste

Sonntag 28.10. & Montag 29.10.2012

In Morgan ist es Sonntagsmorgens bewölkt und fast windstill. Eine gute Gelegenheit noch etwas Schlaf nachzuholen. Gegen 11:00 Uhr beginnen wir den Tag mit einem bescheidenen Müslifrühstück und denken über unsere Dieselvorräte nach, die wir zuletzt in England aufgefüllt haben. Einige hundert Liter könnten wir gut gebrauchen. Wir liegen kaum 200 Meter von der Hafeneinfahrt von Morgan und können die Tankstelle direkt hinter der Hafeneinfahrt sehen. Da liegt es nahe, zumindest den Dieselpreis zu erfragen. Wir fahren an die Tanke und können für 1,14 €/L Diesel bunkern. Etwas mehr als vierhundert Liter laufen in unseren Tank. Mit dem noch vorhandenen Vorrat sollte es nun für die Atlantiküberquerung reichen. „Frischgetankt ist halb gewonnen“, sagen wir uns und starten zur weiteren Etappe in Richtung Las Palmas.

Der Wind ist ausreichend für gute drei Knoten. Später nehmen wir zur Fock noch das Grosssegel mit Reff zwei hinzu und machen fünf, in der Spitze etwas über sieben Knoten Fahrt bei fast achterlichem Wind. Las Palmas müssen wir nicht erreichen. Daher beschliessen wir auf der Höhe von Maspalomas (vor 34 Jahren hat Rainer hier im kühlen Mai einen Familienurlaub verbracht) doch den Hafen Pasito Blanco anzulaufen. Hoch am Wind müssen wir vier Meilen zurück fahren. Bei den Strecken, die hinter uns liegen und vor allem noch vor uns, sind die paar Meilen kein Thema. Vorbei an dem langen weißen Strand von Maspalomas und dem weithin sichtbaren Leuchtturm von Faro kommen wir zum Hafen Pasito Blanko. Bei kräftigen Wind (17 bis 24 Knoten) bergen wir vor der Hafeneinfahrt unsere Segel und wundern uns über einen Hafen, in dem kaum ein Liegeplatz frei ist, jedoch keine Menschen auf den Booten zu sehen sind. Kein Hafenmeister, keine Stegnachbarn, niemand ist zu sehen.

Es ist Sonntag ! Wir legen uns auf einen freien Platz und machen Pause. Danach werkelt Rainer am Anker und schafft Ordnung. Dafür braucht er Platz und Zeit. Mich lockt der von See aus gesichtete weiße Sand nördlich von Maspalomas. Vielleicht gelingt es mir, mit der Hilfe von Sand, unseren Möhrenvorrat etwas länger vor dem Vergammeln zu bewahren. Dazu werden die Möhren im trockenen Sand gelagert und bleiben frisch. – Soweit meine Erfahrung als Hobbygärtner. Ob das auch hier klappt, will ich testen.

Vom Hafen nach Maspalomas geht es zunächst durch ein trockenes Flußbett kräftig bergauf. Auf der Höhe angekommen habe ich sowohl einen tollen Blick auf das Meer und Puerto Blanco als auch auf eine Golfanlage, die riesig ist. Es ist ein hügeliges und gepflegtes, großteils rasenbedecktes Gelände, durchzogen von palmengesäumten Straßen im besten Zustand. Ein Eldorado für Golfspieler, das offensichtlich noch ständig erweitert wird. Das ist an kilometerlangen und kilometerbreiten planierten Flächen erkennbar, die bereits von den fertiggestellten Feldern umgeben sind. Einer der Straßen die sich durch die Golfanlage ziehen, bin ich mindestens zwei bis drei Kilometer gefolgt und stehe dann plötzlich vor einem Kreisverkehr ohne zweite Ausfahrt. Kurz entschlossen gehe ich einfach querfeldein um eine nahe am Meer verlaufende Golfplatzstraße zu erreichen. Ein guter Entschluss, denn Golfer lieben auch den weißen Sand (zum Anlegen der Bunker). Ich bin dankbar mich an einem frisch gesiebten Resthaufen bedienen zu können und mir damit einen langen Marsch bei der Affenhitze (gefühlte 30 ° C) zum Sandstrand und zurück zum Hafen zu ersparen. Ich denke, die paar Kilo Sand werden die Golfer bestimmt nicht vermissen. Bei aller Bewunderung für die riesige gepflegt Golfanlage und den zahlreichen weithin sichtbaren großteils brandneuen Ferienhäusern, die ja nicht nur in diesem Küstenabschnitt zu sehen sind, kommen doch mehr und mehr Fragen: Woher kommt das Süßwasser für die riesigen Grünanlagen? Wer will, kann und soll die Häuser, die Hotels und die Golfanlagen eigentlich nutzen? Von der Immobilienblase in Spanien ist viel geschrieben worden. Bei dem Anblick dieser Anlagen und den vielen Bauruinen in einigen Orten festigt sich ein Bild von Gigantomanie. Zu befürchten ist, dass hier, zumindest in der jeweils erforderlichen Infrastruktur, Milliarden von Euros aus Brüssel geflossen sind. Der Nutzen scheint zweifelhaft, die Schulden und die Sparmaßnahmen unter denen jetzt die spanischen Klein- und Normalverdiener leiden, sind real. Besonders die monumentalen Hotel-Bauruinen, wie wir sie zum Beispiel in San Miguel auf Teneriffa gesehen haben zerstören das Landschaftsbild und wirken bestimmt nicht nur auf uns total abstoßend. Auf Jahre hinaus ein grauenhaftes Bild.

Am Montag steht Rainers Gesundheit (Zahnverblendung wiederherstellen) und Vorrätebeschaffung für den Atlantiktrip auf dem Programm. Taxifahren ist im Verhältnis zu den Hafengebühren (32,00 € pro Nacht) preiswert. Dank einer Empfehlung der DKV (Rainers Krankenkasse) ist schnell ein deutscher Zahnarzt gefunden. Dem Zahnarzt gelingt es schließlich im zweiten Versuch Rainers Schönheit wieder herzustellen. Auch die Lebensmitteleinkäufe klappen – Dank Lidl – ganz gut. Nur mit dem Keilriemen, passenden Kabelschuhen und einem PC-Stecker haben wir trotz kilometerweiter Laufereien durch riesige Shoppingcenter und lange Straßenzüge mit vielen, teils zehnstöckigen Hotelbauten, kleinen Parkanlagen und Fachgeschäften keinen Erfolg. So stehen uns noch interessante Besorgungsmärsche in Las Palmas bevor.

Ein Kommentar zu “Eindrücke von Gran Canarias Ostküste

  1. Uwe Hollenbach

    Hallo Ihr Beiden,
    Freut mich von Euch zu lesen. Habe mich gerade per email von meiner Segelfreundin Grete verabschiedet, die sich morgen auf den Weg macht zu Euch und mit Euch den Atlantik überqueren will. Ich wünsche Euch alles Gute (genug Wasser werdet Ihr ja eh unter dem Kiel haben 🙂 ).
    Viele Grüße aus Hamburg
    Uwe

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