Die Pazifik-Überfahrt, 3475 See Meilen, über 6400 km

 

Ab Ende Januar, unserer Rückkehr aus Peru und Utes Genesungsreise nach Deutschland, wartete ein strenges Arbeitsprogramm auf mich. Über 30 Punkte wurden eins nach dem Anderen abgearbeitet und pünktlich bei Utes Rückkehr nach Ecuador am 18.03.2016 strahlte unsere Trinity am Steg.

Der gebrochene Fuß war noch nicht ganz ausgeheilt aber auf dem Schiff sollte durch Ruhe die Heilung fortgesetzt werden. Mari, eine begeisterte Segelfreundin die wir in Panama kennengelernt hatten, besuchte uns auf der Trinity mit dem Ziel, mit zu den Galapagos zu segeln. Leider kam es dann doch nicht dazu. Dieses hatte mehrere Gründe: mein Visum für Ecuador war abgelaufen und die Ausklarierung zu den Galapagos von Ecuador war aufwendig und teuer. Unser Plan einfach zu den Marquesas auszuklarieren und mit „Motorschaden“ auf den Galapagos halt zu machen erschien uns dann doch zu riskant, da wir dann ja auch die Crewliste ändern mussten und so blieb Mari in Salinas zurück und verlebte noch tolle Urlaubstage auf dem Festland Ecuadors.

Ute und ich machten uns allein auf die weite Reise. Proviant für die 3475 SM bis nach Hiva Oa Französisch Polynesien,( also für 30 – 40 Tage auf See) mussten noch vervollständigt werden und am 26.03.2016 um 12 Uhr ging es los auf unser bisher größtes Abenteuer.

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Gerade mal eine Nacht unterwegs und schon hingen wir in einem Fischernetz fest. Die herbei geeilten Fischer versuchten uns zu befreien, was aber nicht gelang. Da wir sicher sein wollten, dass sich kein Netz in unserer Schraube verfangen hatte, zerschnitten wir die Hauptleinen und ließen uns wegtreiben bevor wir die Maschine starteten. Bis wir an den Galapagos vorbei waren, hatten wir wenig Wind und ließen uns nachts einfach mal treiben.

Am 05.04.2016 waren die ersten 1000 SM geschafft. Gewitter, Squalls, ab und zu mal Regen, viel Wind, wenig Wind und herrliche Sonnentage begleiteten uns. Das gesetzte Groß blieb mit einem oder keinem Reff die ganze Fahrt über stehen. Die Windsteueranlage, unsere „Lizzy“, machte ihren Job ganz gut, nur bei böigem Wind musste von Hand eingegriffen werden.

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Bei 8 Grad Süd hatten wir die konstanten Trade Winde erreicht und weiter ging es West-Südwest unserem Ziel entgegen. Es war nicht so einfach im 8 Grad Sektor zu bleiben und so mussten wir 4 Mal unseren Kurs korrigieren und auf der Backbord Seite nordwestlich segeln. Nachts war meistens Wachwechsel um 2 Uhr und 7 Uhr. Das ging alles ganz geschmeidig, denn auch während der Wache waren Schlafpausen von gut 20-30 min möglich, es war ja kaum etwas los.

Der Sternenhimmel war überwältigend, von Horizont zu Horizont und das fast jede Nacht. Die Tage vergingen mit kleineren Reparaturen, lesen, schlafen, Essen kochen, Brot backen, Emails schreiben und Wetterdaten über Kurzwelle abrufen. Unsere Koordinaten sendeten wir jeden Tag auf die Internetplattform Yotreps, damit man auch zu Hause unseren Törn über den Pazifik verfolgen viel konnte.

Leider war mein Angelerfolg nicht ganz so bombastisch. Ein Köder hat sich ein Fisch als Souvenir geholt, einen bemerkenswerten Fang opferten wir gleich wieder unfreiwillig dem Pazifik, er ging uns beim Einholen vom Hacken. War aber ein tolles Fischlein von ca. 4-5 kg. Die anderen Köder hatten beim fast täglichen Bad im Stillen Ozean ihren Spaß.

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Am Sonntag, den 10.4.2016 war es dann so weit, Bergfest. Ute hat einen Zitronenkuchen gebacken und bei herrlichem Wetter genossen wir den Tag.

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Am 12.4. begegneten wir einem Segelschiff, welches auch nach Hiva Oa wollte. Auf dem großen Pazifik kamen wir uns so nahe, so das wir ausweichen mussten um nicht zu kollidieren. Unser AIS und Plotter hatten uns aber schon vorher durch ein Signal auf das Schiff aufmerksam gemacht. Wir wünschten uns über Funk eine gute Fahrt und dem Gruß „we see us in Hiva Oa“.

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Etmale von 100 – 150 SM machten wir immer und so kamen wir unserem Ziel schnell näher. Der Wind kam konstant mit 10 – 25 Knoten aus östlicher Richtung.

Die ersten 2500 Meilen gingen ganz gut aber bei den letzten 1000 Meilen sehnten wir uns doch noch mehr nach festem Land, die Schaukelei waren wir leid. Nach Durchzug eines Regenbandes 500 SM vor dem Ziel, am 26.Tag unserer Reise, schlief der Wind fast ein, Zeit für ein Bad im Pazifik. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch gleich die Polypen, die sich an der Bordwand festgesetzt hatten, entfernt. Plötzlich ein Brennen im Gesicht und am Arm. Ich war mit dem Faden einer Qualle in Berührung gekommen, die diese schmerzhafte Hautreaktion hervorrief.

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Ute schaffte es immer wieder trotz der knapper werdenden frischen Lebensmittel etwas Leckeres auf den Tisch zu zaubern. Die Zubereitung war auch nicht so einfach bei der Schaukelei, denn die Speisen wollten oft nicht auf dem Teller bleiben.

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Am 26.04. um 10:18 Uhr , wir saßen gerade beim Frühstück, da rief meine Crew ;-):“ Land in Sicht“. Aber es dauerte dann doch noch eine ganze Weile und es war stockdunkel als wir Hiva Oa erreichten. Der Mond war noch nicht aufgegangen und so verbrachten wir die erste Nacht in der Südsee in einer Bucht auf der Nachbarinsel Tahuata. Strahlender Sonnenschein weckte uns am nächsten Tag und wir motorten die paar Meilen rüber nach Atuona, dem Hauptort auf Hiva Oa.

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Dort angekommen wurden wir von unseren Segelfreunden Martin und Conny aus Österreich mit frischem, knusprigen Baguette begrüßt denn wir sind ja in Französisch Polynesien. Hoch erfreut lesen wir was auf der Tüte steht: Hiva Oa. Wir haben nach gut 6400Km im riesigen Pazifik nach 32 Tagen nur Wasser und Sterne die richtige kleine Insel getroffen.;-) Das Baguette lassen wir uns mit Käse gut schmecken, räumen das Schiff auf und klarieren ein.

5 Kommentare zu “Die Pazifik-Überfahrt, 3475 See Meilen, über 6400 km

  1. Herbert Harry Simon C

    Liebe Ute u. Rainer,
    eine Freude euer Bericht über den Törn bis Hiva Oa zu lesen, ich muss euch nur gratulieren und dort noch alles Gute wünschen.
    Lieber Rainer, zu deinen Geburtstag möchten wir dich recht herzlich gratulieren, viel Gesundhei wünschen und noch alles gute am Meer.
    Heute hat Magdalena fürs Erste Mal sich auf eine Sessel gesetzt und dort wurde ihr das Mittagsessen gegeben. Jeden folgenden Tag muss sie imer mehr aus dem Bett kommen.
    Wi9r grüssen euch herzlich.
    Harry

  2. grete santjer

    Hallo ihr Beiden!
    Jetzt habt ihr die lange Pazifikpassage auch schon geschafft,und zwar ziemlich bravourös, wenn ich euren Bericht so lese…..

    Die allerherzlichsten Glückwünsche , ich freu mich riesig mit euch!!!
    Und Rainer, dir alles, alles Gute zun Geburtstag.
    Ihr habt sicher ausgiebig mit den lokalen passenden Getränken angestoßen und ordentlich unter Suedseesonne gefeiert :-))
    LG Grete und auch natürlich nen Gruss von Wolfgang
    Wir sitzen gerade bei strahlendem Sonnenschein auf der MAX und geniessen den Himmelfahrtstag bei einem Jever 🙂

  3. Michael Tölle

    Hallo ihr Beiden! Herzlichen Glückwunsch zur Meisterung des größten Schlags! Genießt Eure Zeit im Paradies!!! Liebe Grüße ans andere Ende der Welt senden Euch Katrin & Michael

  4. Klaus Menssen & Brita Pape

    Hallo Ihr Zwei Weltumsegler,

    mit viel Freude und Spannung haben wir Euren Bericht über Eure große Passage gelesen. Eine tolle Leistung. Herzlichen Glückwunsch!
    Und nachträglich auch herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag Rainer.
    Wir sind gespannt, wie Eure Reise weitergeht und verfolgen Eure Einträge.
    Uns geht gut. Wir haben das eiskalte Pfingstfest überwiegend in unseren vier Wänden verbracht. Nur heute haben wir uns kurz zum Mühlenfest und zum Jazz im Segelclub getraut.
    Weiter alles Gute und eine traumhafte Zeit. Meldet Euch, wenn Ihr mal wieder in Deutschland seid.
    Herzliche Grüße aus Steinhude
    Klaus & Brita

  5. Ike Möller

    Liebe Ute , lieber Rainer , wenn ich eure Reiseberichte lese , bin ich sehr sehr beeindruckt ! Wie spannend !
    Wir bewundern euch und freuen uns auf eure persönlichen Berichte beim Glühwein !!?
    Passt gut auf euch auf
    Ike u Uli

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