Die erste Nacht in der Biskaya

Montag 6.8 Die erste Nacht vergisst man nie. Das trifft auch für die erste Nacht in der Biskaya zu. Sie war spannend – dafür hat der starke Verkehr der Groß-Schifffahrt gesorgt. Sie war laut und von vier bis fünf Meter hohen Wellen von Steuerbordseite geprägt. An Schlafen war kaum zu denken. Die Wellen sorgten immer wieder für Krach und unkalkulierbare Schiffsbewegungen. Das gelegentliche Aufschlagen des Bugs im Wellental mit einem heftigen Knall kennen wir ja schon. Es geht trotzdem immer wieder durch Mark und Bein. In dieser Nacht sind wir trotz allem gut voran gekommen. Am Mittag haben wir ein Etmal (Fahrstrecke durchs Wasser von Mittag zu Mittag) von 160 sm erreicht. Am Nachmittag ging der Wind auf angenehme 10 bis 15 Konten, Nordwest, zurück. Die Wellen verflachten. „Die richtige Zeit für den Test unserer Windfahnensteuerung“, meinte Rainer, experimentierfreudig wie immer. Für das Montieren des Ruderblattes stoppten wir Trinity auf und übten damit gleichzeitig das Beiliegen. Mit Hilfe unseres Hebebügels am Geräteträger senkten wir das Ruderblatt ins Wasser. Doch durch die immer noch laufende Welle und leichte 0,8 Knoten Fahrt hatte Rainer schneller eine nasse Jeans als es ihm gelang das Ruderblatt von unten auf den Ruderschaft zu schieben und mit einem Bolzen zu verankern. Da blieb nichts anders übrig als die Badeleiter herunter zu lassen und „blank“ gezogen bis auf die unterste Stufe der Leiter ins Wasser zu gehen. Es war ja niemand da und eine solche Aufgabe im Wasser ist für Rainer genau richtig. Niemand da? Fehlanzeige! Gleich eine ganze Schulkasse fand sich ein. Eine Delfinschule. Mindestens zwölf Tiere umkreisten Rainer auf der Badeleiter und das Schiff. Auch sie zeigten, was sie unter ihrem Bauch haben, ihre Schnelligkeit und Sprungkünste. Eine Supershow in bester Besetzung mit Rainer auf der Badeleiter in der Hauptrolle. Die Aktion gelang. Das Ruderblatt der Hydrovane-Windsteuerungsanlage ist jetzt montiert und von den Delfinen abgenommen. Doch nun muss die Anlage auch noch Trinity bei Wind und Welle auf Kurs halten. Die Beschreibung der Anlage war dabei wenig hilfreich. Durchdachte Schritte brachten den Erfolg. Schritt eins: Das Schiff mit den Segeln und dem Hauptruder ausbalancieren und auf den richten Kurs bringen ohne das noch weitere Ruderbewegungen notwendig sind. Schritt zwei: Der hydraulischen Selbststeuerungsanlage das Kommando für das Kurshalten übertragen und den dafür erforderlichen Ruderausschlag feststellen (Wert an der Runderlage-Anzeige 8). Schritt drei: Die Windfahne in den Wind drehen und den Winkel des Ruderblattes so verändern, dass die Hydraulik-Anlage ohne Ruderausschlag auskommt (Anzeigewert 0-2). Siehe da, es hat geklappt. Die Anlage arbeitet bei unserem Kurs hoch am Wind Stunde um Stunde ohne Strom und Energieaufwand einwandfrei. Bei einem Wind zwischen 9 bis 21 Knoten und einer Welle bis zu zwei Metern hat sie supergenau gearbeitet und steuert besser als wir es von Hand über längere Zeit schaffen.

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