Die Biskaya muss warten

Freitag 3.8. Am nächsten Morgen, Freitag, halten wir Ausschau nach dem Hafenmeisterboot. Es fährt die Boote vor, hinter und teilweise neben uns an. Zu uns kommt er nicht. Die Endscheidung des Skippers: „Wir können nicht länger warten. Wir laufen aus.“ Unter Segel geht es mit guter Fahrt (6-7 Knoten über Grund) Richtung Süd. Nach gut drei Stunden zieht ein dicker Regenschauer durch. 25 Konten Wind, zwei bis drei Meter Welle. Mit etwas eingerolltem Vorsegel (die Windfäden sind nicht mehr zu sehen) und zweitem Reff im Groß läuft unsere Trinity in hälftiger Schräglage mit 9,3 Knoten durch die Wellen. Nach einer halben Stunde hört der Regen auf und der Wind geht auf 18 – 21 Knoten zurück. Wir wenden. Der neue Kurs bringt uns zehn Meilen westlich wieder an die Küste zurück. Für das Runden des Kaps Lizard Point, das uns den Zugang nach Penzance ermöglicht, 10 Meilen zu früh. Wir wollen nicht erneut im Dunkeln einlaufen. Deshalb motoren wir mit dichtgeholtem Großsegel. Die gut zehn Meilen Südwest voll gegen Wind und Welle, die inzwischen mit gut drei Metern kräftiges, krachendes Aufschlagen des Bugs zur Folge haben, schaffen wir nach gut drei Stunden. Nach dem wir Lizard Point etwas achteraus haben, setzen wir die Segel. Mühsam gewinnen wir Fahrt. Die kräftigen Strömungen, als „tide rips and races“ in der Karte vermerkt, kosten uns von den sieben Knoten durchs Wasser mindesten drei. Drei Meilen weiter, wird der Strom geringer. Mit vier bis sechs Knoten über Grund kommen wir inzwischen bei halben Wind (meint, der Wind kommt jetzt von der Seite) voran. Die nach wie vor hohen Wellen erfordern geschicktes Steuern. Immer wieder drehen die Wellen das Schiff. Mal auf 120 Grad zum Wind, dann wieder trotz Gegenruder fast bis zum Anschlag auf 30 Grad. Ein mühsames Geschäft über Stunden. Gegen 18:00 Uhr passieren wir drei große Frachter, die vor Anker liegen. Denen machen die Wellen natürlich nichts aus. Uns schon. Kurz nach dem wir zwischen den Frachtern durchgefahren sind, klatscht plötzlich eine besonders hohe Welle von der Seite auf unsere Backbordseite. Ein beträchtlicher Teil Wasser geht über die feste Sprayhood. Rainer sitzt auf der Steuerbordbank im Cockpit plötzlich im Wasser. Seine Jeans ist komplett nass! Gut, dass es heute bei dieser einen sehr hohen Welle bleibt. Wir reichen Penzance bei Hochwasser kurz nach 20:00 Uhr. Ein super Timing, zwar völlig ungeplant aber total richtig! Nur kurz vor und nach Hochwasser wird nämlich das Tor zum Innerhafen geöffnet. Das Tor hält das Wasser in dem kleinen Hafen und verhindert das Trockenfallen. Ein Kanufahrer, der vor dem Hafen-Tor paddelte, kam auf uns zu und rief uns zu, das Tor würde gleich für uns geöffnet. Nach drei Kreisen vor dem Tor bewegte sich das Tor in eine sehr überraschende Richtung. Es wurde in das Hafenbecken gekippt und verschwand im Wasser. Nach einer Weile wechselte das Signallicht der Einfahrt von rot auf grün und Trinity lief bei inzwischen strömenden Regen in ein ruhiges Hafenbecken. Der sehr hilfsbereite Hafenmeister wies uns den für ein Ausflugsboot reservierten Liegeplatz zu, half beim Anlegen und brachte uns sogar eine Leiter mit der wir den hohen Steg bequem erklimmen konnten. Ein wirklich netter Mensch. Er hatte uns bereits weit draußen gesichtet und daraufhin eine Überstunde eingelegt. Die unmittelbare Hafenumgebung hat wenig Touristisches für Segler zu bieten. Zwei Duschen mit Toiletten. Überraschend ist deren technische Qualität. Die Duschen bieten die Möglichkeit die Wassertemperatur zwischen Kalt und Warm zu wählen. Ein Komfort, der hier selten ist. Direkt in der Hafenumgebung befinden sich mehrere gut besuchte Pubs. Doch uns steht nach einer reichlich bemessen Zucchini-Pfanne der Sinn nach einer ruhigen Koje. Wir wollen uns die Option für unseren Sprung über die Biskaya offen halten. Dazu müssen wir um fünf Uhr aus den Federn.

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