Das Solo der Trinity

Mancher Neuling an Bord verträgt die Schaukelei des Schiffes nach kurzer Zeit besser als zuvor befürchtet. Angelika ist das beste Beispiel dafür. Die erste kurze Strecke und erste Nacht vor Anker waren noch schwierig für sie. Danach war alles überstanden. Inzwischen kann sie auf mehr als 100 sm zurück blicken. Gemeinsam mit Rainer, z.Z. Skipper und mir, Franz dem Co Skipper und Smutje, sind wir von Pointe a Pitre in Richtung Osten zum schönen Badeort Sainte Ann und am Folgetag nach Saint Francois motort.

Riff und Badebucht in St. Anne; Guadeloupe

Riff und Badebucht in St. Anne; Guadeloupe

Ste-Anne Kirche

Nach ein paar Tagen vor Anker und Landgängen war dann die Zeit reif für eine Tagesetappe zur Insel Marie Galant. Ohne ein flaues Gefühl in der Magengegend, bei teils sieben Knoten Rauschfahrt in kräftiger Schräglage, war die Eingewöhnungszeit abgeschlossen. Rainers zutreffende Feststellung dazu:  „Angelika, jetzt sind dir die Seebeine gewachsen“. Auch die nächste Etappe zu den Iles des Saintes bei achterlichem Wind wurde schon super verkraftet. Der Lohn dafür war eine Nacht vor Anker in einer dem Klischee der Karibik entsprechenden Traumbucht: Langer Sandstrand mit Palmenwald.  (Wie sich später herausstelle, ist ankern in dieser Bucht „Baie de Pont Pierne“ auf Terre de Haut nicht mehr gestattet.)

Traumbucht

Traumbucht

In den nächsten Tagen war unser Ankerplatz in der Schicksals- Bucht „Anse Devand“. Dort lernten wir Inga & Vassil von der Olgalou, Franziska und Lukas aus der Schweiz und andere spanische und brasilianische Familien mit Kindern kennen. Alle samt segelerfahren und seit Jahren mit ihren Schiffen unterwegs. Mit ihnen verbrachten wir nach einem langem Fußmarsch genau in der Traumbucht Baie de Pont Pierne einen wunderschönen Picknicktag mit gegrillten Würstchen, Kokosnüssen und Rotwein.

Der Schock folgte bei unserer Rückkehr: Rainer war schon vorgegangen und hatte unser „Mäuschen“ klar gemacht und hielt Ausschau nach unserem Schiff. Es schien ihm durch andere Schiffe verdeckt zu sein. Doch das war ein Trugschluss. Unsere Trinity hatte ihren Platz verlassen und war verschwunden. Der Schock saß tief und es dauerte eine ganze Weile bis ich unser Schiff vom Wind abgetrieben in der Nähe angrenzenden Felsen entdeckte. Trinity hatte ein Solo hingelegt und war fast eine Meile allein unterwegs.

Was genau passierte, kann nur vermutet werden. Wahrscheinlich ist, dass ein anderes Schiff beim Ankermanöver unseren Anker losgerissen hat. Doch wichtiger als die Spekulationen über den Auslöser des Trinity-Solo ist die Rettung der Trinity, die wir einem aufmerksamen und sehr klug handelnden französischem Katamaran-Skipper zu verdanken haben. Er hatte das slippen unseres Ankers bemerkt und ist zur Trinity gefahren. An Bord hat er sich eine lange Leine gesucht (den Bullenständer), hat damit zunächst die Ankerkette gesichert und dann per Hand weitere ca. 30 Meter Kette heraus gelassen, bis der Anker im inzwischen 20 Meter tiefen Wasser wieder Halt fand. Diesem aufmerksamen Skipper haben wir zu verdanken, dass unsere Reise nicht hier endete. Für ihn, so sagte er, eine Selbstverständlichkeit guter Seemannschaft.

Unsere Konsequenz:  Lieber doppelt so viel Ankerkette raus als nötig statt auch nur einen Zentimeter zu wenig.

2 Kommentare zu “Das Solo der Trinity

  1. Michael

    Uuuf – das ist ja zum Glück gerade noch mal gut gegangen! Ich hoffe ihr habt mit dem kleinen Ausreißer ein ernstes Wörtchen geredet 😉

  2. Klaus Ludwig

    Hallo,

    der Bericht hat nicht zufälligerweise etwas mit dem Datum zu tun?

    MfG Klaus

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