Blick in die Hölle

Unser Törn von Fiji nach Port Vila/Vanuatu hat  4 Tage gedauert und wir konnten gut mit Wind aus Ost/Südost segeln. Für unsere Gäste war es arg ungewohnt, sie haben sich aber tapfer geschlagen und  keiner wurde seekrank. Wie fast immer fiel unser Anker nachts in der Dunkelheit, aber die Einfahrt war gut betonnt und alles hat prima geklappt. Einklarierung lief unproblematisch und nach Tausch: Geld gegen Stempel, erhielten wir unsere Papiere. Immigration: 4800 Vatu’s, Biosecurity: 5500 Vatu‘s , nur Customs war ohne Gebühr. Wir hatten unser Cruising Permit und waren glücklich. Am Pier herrschte reges Treiben, es hatte gerade ein Kreuzfahrtschiff unter australischer Flagge, die „Pacific Down“ angelegt.

Port Vila hat uns überrascht. Eine saubere Stadt. An der Waterfront wird viel neu gebaut und hübsch hergerichtet. Leider zerstörte am 13.und 14.März 2015 der Zyclon Pam einen großen Teil der Insel, auch hier in Port Vila. Dank internationaler Hilfe sieht man aber schon gute Fortschritte. So zum Beispiel unterstützt Japan den Bau einer modernen Hafenanlage.

Trinity lag sicher vor Anker und wir suchten uns ein hübsches Cafe mit „Anschluß in die weite Welt“. Unsere erste Nachricht war gleich ein Schock. Was war passiert ? Unser Segelfreund Heiner war am 25.07.2017 kurz vor der Insel Tanna , in der Nähe der  Bucht „Port Resulotion“, auf einen Stein aufgelaufen. Das Ruder wurde in das Heck gedrückt, verursachte den Wassereinbruch und die DÖRTITA drohte zu sinken. Wir erhielten gleich mehrere Informationen zu dieser  Katastrophe. Zum Glück war ein australisches Segelschiff einer Hilfsorganisation, Medical Sailing Ministries Australia, in der Bucht. Einheimische sahen die Signalraketen, die Heiner mehrfach abgefeuert hatte, und aktivierten Hilfe. Es war schon dunkel und viele Helfer eilten zur Dörtita. Robert, der Master der CHIMERE, war perfekt organisiert und ausgestattet. So wurden sofort leistungsstarke Pumpen in der Dörtita installiert. Dank der schnellen Hilfe mussten Heiner und Ede nicht in die Rettungsinsel klettern, die schon neben der DÖRTITA schwamm. Das defekte Schiff wurde längsseits der CHIMERE genommen und in die ca. 2 SM entfernte Bucht geschleppt. Die ganze Nacht wurde abgedichtet und das Wasser aus dem Schiff gepumpt. Auch viele Inselbewohner kamen mit ihren Einbäumen und  haben geholfen. Am anderen Tag konnte Heiner die DÖRTITA  ganz vorne in der Bucht bei Ebbe trocken fallen lassen und es wurde ein Notruder gebaut.

Wir waren sehr erschrocken und haben sofort Kontakt zu Heiner und Ede aufgenommen, was sich nicht einfach gestaltete. Telefon funktionierte nicht, dort auf Tanna hatten die Männer kein Internet, also haben wir unser Inmarsat angemeldet. Per Satellitentelefon  verständigten wir uns. Inzwischen war es der 28.06., die DÖRTITA Crew  hatte ihren Schock etwas verdaut aber nun stand die nächste Herausforderung an.  Wie kommen sie von Port Resulotion in die Werft nach Port Vila ? Ein Törn von 120 SM mit Notruder, das mehr  schlecht als recht funktionierte. Ede sagte sofort, er wollte das die TRINITY kommt und es würde ihr größter Wunsch sein, dass wir sie als Begleitboot unterstützen.

Da unsere Freunde, Elsmarie und Robert, sich entschlossen hatten, die TRINITY etwas früher zu verlassen und noch in einem Urlauberresort zu entspannen, haben wir nach gemeinsamer Absprache entschieden, am Freitag, 30.06., gleich mit Sonnenaufgang  Richtung Tanna zu starten.

Wir verabschiedeten uns von unseren Gästen, leider mit der Gewissheit, dass wir es bis zu ihrer Abreise nicht schaffen würden wieder  in Port Vila zurück zu sein. Aber natürlich hatten sie Verständnis, dass wir unseren Freunden helfen wollten.

Dass es eine besondere Herausforderung werden würde war uns bewusst. 120 SM bei  gut 15 Kn  Wind gegenan, da musste unser Jockel  ran, mit segeln war da nichts . Es war ehrlich gesagt die Hölle. Schon nach den ersten Meilen, die die TRINITY gegen Wind und Welle motorte, fragte ich mich, wie ich das aushalten sollte. Ich bin ja kein Zimperlieschen, aber dieses Rumpeln und Pumpeln und dieses Donnern der Wellen (bei einem Alu-Schiff ja ein besonders akustischer Genuss ) war arg heftig. Aber es war für einen sehr guten Freund und es gehört auch zur guten Seemannschaft. Nach ca.2/3 der Strecke erreichten wir am frühen Samstagmorgen die Insel Erromango. In der schönen Bucht lagen schon ein paar Schiffe und wir freuten uns auch auf eine Pause und ließen den Anker fallen.  Es dauerte nicht lange und es kamen einige Inselbewohner mit ihren Einbaum-Auslegerbooten und begrüßten uns. Sie sind sehr freundlich und wir wurden von Josef, dem Sohn des  Inselältesten, zum Abendessen in den dortigen Yachtclub eingeladen. Ein anderer Einheimischer, Oliver, kam und fragte ob er seine Batterie bei uns laden könnte, was Rainer gerne gemacht hätte, allerdings stellte Rainer dann fest, dass Olivers Batterie kaputt war. Oliver war eine Weile an Bord, staunte über  unsere TRINITY, genoss ein kühles Bier und mit ein paar Geschenken für seine Frau und Tochter verabschiedeten wir uns. Er überreichte uns noch ein paar Pamelos und eine Papaya. Abends holte uns ein englisches Seglerpaar ab und wir fuhren gemeinsam zum Abendessen in den Yachtclub. Wir überreichten unsere Mitbringsel und wurden mit köstlichem lokalen Essen bewirtet. Josef spielte auf seiner Gitarre und wir verbrachten einen gemütlichen Abend.

Natürlich fragten uns die anderen Segler und auch einige Einheimische, warum wir nach Tanna unterwegs waren, da es ja nun so nicht unbedingt normal war, gegen den Wind in diese Richtung zu „segeln“. Als wir unser Anliegen schilderten, wussten alle schon von der Katastrophe mit der DÖRTITA. Ja, so funktioniert der Buschfunk im wahrsten Sinne ;-)des Wortes.

Es war ein sehr schöner Aufenthalt  in der Bucht von Erromango und wir versprachen auf dem Rückweg mit unseren Freunden dort wieder anzulanden. Sonntagmorgen ging es weiter. Wind und Welle hatten es sich nicht anders überlegt, wie erwartet ,  und so pumpelten wir weiter. Etwa 3 Meilen vor der Bucht Port Resolution riefen wir per Satellitentelefon Heiner an und informierten ihn  , dass wir es nicht mehr bei Tageslicht schaffen würden und in einer kleinen Bucht ankern wollten.  Wir haben es uns dann doch überlegt und sind weiter, es war ja fast geschafft. Nur ist diese Bucht nicht ganz so einfach anzulaufen und in der Dunkelheit wird sogar davon abgeraten. Aber wir sind ja inzwischen fast so was wie Nachtankerspezis 😉  .Also riefen wir Heiner erneut an, er freute sich sehr und wir wollten auch endlich ankommen. Als wir den Kurs  Richtung Bucht ansteuerten leuchtete die DÖRTITA mit allen Lampen die verfügbar waren, ein wahres Lichterschiff wies uns den Weg. Es lagen noch fünf andere Schiffe in der Bucht und wir ließen unseren „starken Karl“ im sicheren Abstand fallen.  Ankommen ist immer sehr schön, besonders das Ankommen mit einem Segelschiff in einer schönen Bucht oder an einem traumhaften Ankerplatz oder in einer hübschen Marina. Dieses Ankommen war sooooooo mega schön: endlich , endlich kein Motorgeräusch mehr, endlich kein Knallen der Wellen an die Schiffswand mehr und endlich die zwei Pechvögel zu begrüßen. War das ein Wiedersehen !!!

Die Resolution Bay, benannt nach dem Schiff von Kapitän Cook, ist der einzige richtige Ankergrund auf Tanna und liegt am Fuß des Vulkans Yasur, den wir schon von weitem erkennen konnten. Er durchmischte  den Himmel mit Dampf und Rauch.

Genau eine Woche nach dem Unglück sind wir angekommen und planten auch gleich den Törn zurück nach Port Vila. Nun waren wir also auf Tanna und somit bot sich der Ausflug auf den aktiven Vulkan Yasur an. Am Montagnachmittag wurden wir abgeholt und für eine nicht gerade günstige Gebühr ging es mit einem Pick-Up zum  Fuße des Vulkans. Wir bezahlten unseren Eintritt , wurden nach Ländern eingeteilt  und mit einer traditionellen Tanzvorführung  begrüßt. Der Häuptling  erhielt ein Bündel Kava-Wurzeln und um seine Zustimmung gebeten den Vulkanberg betreten zu dürfen. Auf der Ladefläche eines Jeeps ging es dann hoch zum Vulkan, der mit seinen Eruptionen ein spektakuläres Schauspiel bot, welches nach Sonnenuntergang  noch imposanter erschien.

Zurück in der Resulution Bay waren wir gespannt auf die Schilderungen von Ede, der an einer Kava Zeremonie mit einheimischen Männern teilgenommen hatte.  Er hatte alles gut überstanden. 😉 .Das Trinken einer Brühe aus verkauter Kava-Wurzel  hat es schon in sich und erzeugt oft seltsame Nebenwirkungen. Lecker schmeckt  Kava absolut nicht, ist eine sehr alte Tradition und wird ganz besonders zelebriert.

Dienstagmorgen hieß es Anker hoch und Trinity startete ihren Job als Begleitschiff für die Dörtita, um sie sicher nach Port Vila zu begleiten. Die Wetterbedingungen waren gut, für die Dörtita eher etwas viel Wind, aber okay. Die beiden Schiffe wurden vertaut, damit die Dörtita sich drehen konnte und um sie besser aus der Bucht heraus führen zu können. Das funktionierte nicht optimal, ging aber dann ganz gut. Ede und Heiner wechselten sich jede Stunde am Notruder ab und kamen gut voran. Wir mussten unsere Trinity etwas „bremsen“, denn die Segelbedingungen waren super, aber wir mussten ja in Nähe der Dörtita bleiben und hielten entsprechend Abstand.  Über  Funk hielten wir Kontakt . Vor Erromango ankerten wir und besuchten ,wie versprochen ,noch einmal  die Insel mit den freundlichen Bewohnern. Wieder gab es ein leckeres Essen im kleinen Yachtclub und sehr herzliche Begegnungen mit den Familien.

Den Aufenthalt in der schönen Bucht nutzten die Männer auch um der Dörtita noch einer kleinen Operation zu unterziehen. Das Notruder hatte sich gelöst und so war noch einmal eine Reparatur angesagt. Rainer hatte in Suva ein Alublech gefunden, das  nun optimal das Notruder  der Dörtita verstärkte. Der Törn klappte prima und wir erreichten die Einfahrt von Port Vila mitten in der Nacht. War kein Problem, wir kannten uns dort ja schon aus.Wir ankerten in der Nähe der Werft,  in der Heiner’s  Schiff repariert werden sollte. Mega müde krabbelten wir in unsere Koje und schliefen  schnell ein. Auf einmal wurden wir arg unsanft durch einen Hilferuf per Funk geweckt. Ede rief uns: „Bitte, ihr müsst sofort kommen, Heiner geht es schlecht“. Sofort sprangen wir auf, es war 03:00 Uhr. Unser Dinghi  war noch auf dem Vordeck verzurrt. Wir beeilten uns das Schlauchbot zu Wasser zu lassen, den Motor anzubauen  und zur Dörtita über zu setzen. Heiner hatte starke Magenkrämpfe, Ute hatte aus unserer Bord-Apotheke eine Medizin mitgenommen, die schon bald die Schmerzen linderte und somit konnten wir  nach dem erste Hilfe-Einsatz bald wieder schlafen gehen.

Relativ frisch und munter hüpften Heiner, Ede und Rainer am nächsten Morgen ins Dinghi und fuhren rüber zur Werf. Nach Besichtigung der Anlage wurde die Prozedur besprochen, wie das Schiff aus dem Wasser geholt werden sollte. Mit dem Hochwasser wurde ein Wagen auf Schienen ins Wasser und unter das Schiff gezogen. Mehrere Männer tauchten immer wieder runter und schoben diesen Wagen unter die Dörtita. Mit einem Trecker wurde die Konstruktion samt Schiff an Land gezogen, sehr abenteuerlich.

Die Marina veranstaltete am Wochenende eine Party, bei der wir natürlich nicht fehlen wollten. Gesang und Turnen mit einem Tuch ließen uns die Zeit nicht lang werden.

Über die Insel Epi ging es dann nach Ambrym. Ein Festival  und der noch aktive Vulkan Marum galt es zu besichtigen. Das Festival bot beeindruckende Tänze aus vergangener Zeit.  Außerhalb des Festivals wohnten wir einer Zeremonie bei, bei der ein Schwein als Geschenk dargebracht wurde welches vorher mit einen Knüppel totgeschlagen wurde. Andere Sitten und Gebräuche.

Am nächsten Tag ging es auf der Ladefläche eins Jeeps holpernd zum Vulkan Marum.  Mit von der Partie war Elke, Volker von der Green Duck , Maren von der Red Cat sowie zwei einheimische Führer. Durch Urwald bergauf, über  eine Ebene mit Vulkanasche und  nach Klettern auf dem Grad des Kraterrandes konnten wir von oben in den Vulkan schauen und die brodelnde Lava sehen. Diese Vulkanbesichtigung  war nun ganz anders aber nicht minder spektakulär.

Versorgt werden die Inseln mit Frachtschiffen, die am Strand anlegen.

Pentecost war unsere nächste Insel, Wir wurden im örtlichen Yachtclub eingeladen, in dem wir ein super mehrere Gäge umfassendes Essen serviert bekamen.Eine Dorfbesichtigung inclusive.

Über Pentecost ging es nach Espiritu Santo nach Luganville, wo wir in einer Bucht vor der Stadt ankerten. Dort liegt auch der Million Dollar Point, wo die Amerikaner nach Ende des zweiten Weltkriegs  das nicht mehr benötigte Kriegsmaterial  im Meer versenkten.

Nach dem Ausklarieren sollte es dann über Australien  nach Südafrika gehen. Eine lange Reise war geplant. 3500sm nach Australien und dann 6000sm bis Südafrika.  Zum Vergleich, die Überquerung des Atlantiks waren „nur“ 2000sm.

Auf der Überfahrt nach Australien änderten wir aber unseren Plan und wollten in Darwin die diesjährige Tour beenden. Wir segelten durch das schöne Great Barrier Reef , und klarierten auf Thursday Island in Australien ein. Da wir uns aber nicht vorschriftsmäßig gemeldet hatten, wurden wir mit einer Strafe von 3150Aus$ belegt. Ein Schock für uns, da wir nicht mit solch einer Strafe gerechnet hatten.

Trotzdem stoppten die Tour in Darwin und suchten für unsere Trinity einen guten Liegeplatz bis es im Mai 2018 dann weiter geht.

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