8.12.2012

Während ich diesen Beitrag schreibe, segelt Trinity unter Gennaker mit 7-8 kn bei 8- 12 kn Wind über das Meer, dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist gerade 17:15 in der Zeitzone Mittelatlantik, das entspricht UTC -2. Wir müssen alle paar Tage unsere Uhren umstellen, eine „Bordzeit“ wäre zwar für den Hausgebrauch möglich, aber für das Empfangen und Auswerten der Wetterdaten brauchen wir die jeweils aktuelle Zeit. Unsere Wind- und Wetterbedingungen waren bislang sehr vielfältig. Aus vielen (nicht aus allen) Berichten über Atlantiküberquerungen auf der Barfußroute hat man oft Eindruck, es ginge vorwiegend darum, den Passat zu „erwischen“, dann einmal die Segel in passender Stellung zu setzen und sich während der darauf folgenden Wochen die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Wir hatten bislang relativ viel Bewölkung und Regenschauer, ich habe bereits unzählige Male einen Regenbogen am Horizont beobachtet. Natürlich scheint auch die Sonne, wir sind mittlerweile ziemlich braun :-). Und wir sind sichtbar auf der Barfußroute: außer bei Segelmanövern stehen die Schuhe im Schapp. Gestern und vorgestern hatten wir Flaute. Wir haben es genossen! Nach 2 Tagen und Nächten, die geprägt waren von unzähligen Schauerböen bis zu 28 kn, waren wir froh über Ruhe und Sonne. Mir persönlich setzte das feucht-warme Wetter sehr zu, zumal es unter Deck bei geschlossenen Luken brütend heiß wird bei nahezu gesättigter feuchter Luft. Flaute bedeutete: wir konnten schwimmen in der zweitgrößten Badewanne der Welt. Herrlich!!! Es war total entspannend, einmal die faszinierende Ruhe zu haben. Abends (es war der Nikolausabend) saßen wir dann unterm Sternenhimmel, tranken Wein und hörten Bob Marley. Sonst ist es nämlich beim Segeln nicht still, wie Nicht-Segler vielleicht glauben. Wind und Wellen machen je nach Stärke ziemlich laute Geräusche, und das Boot auch. Außerdem rollt ein Boot bei achterlichen Kursen, d.h. es bewegt sich auf der Längsachse auf den Wellen hin und her. Das nervt ziemlich, weil bei größeren Wellen unkalkulierbar alles Bewegliche an Bord dem Weg der Schwerkraft folgt. Wir entwickeln nahezu akrobatische Fähigkeiten beim Kochen, Essen und Abspülen: mit einer Hand den Teller abtrocknen, mit der anderen schnell den rutschenden Becher auffangen, von dem man dachte er bleibt auf dem Tisch stehen bis alles zusammen im Schapp verstaut werden kann. Und zugleich muss man sich selbst irgendwie verkeilen um nicht umzukippen. Also haben wir die Flaute zur wohlverdienten Erholung genutzt und gestern am späten Nachmittag kam dann auch der Wind langsam wieder zu uns. Unter Gennaker ging es gemächlich weiter. Wir hatten zunächst einen ruhigen Abend mit leckerer Fischsuppe (natürlich mit Tunfisch als reichhaltiger Einlage). Später sollte es jedoch noch Action pur geben. Gegen 22.00 während meiner Wache nahm urplötzlich der Wind zu, und vereinzelte Regentropfen kündigten einen nahenden Squall, wie die Schauerböen hier genannt werden, an. Jetzt heiß es sofort den Gennaker (ein großes Segel aus leichtem Material für Leichtwind)) einholen. Ein Klopfen auf die Luke der Achterkabine genügte um Franz zu wecken. Blitzschnell kamen er und Rainer, mit Rettungswesten und Lifebelts ausgerüstet, nach oben und gingen aufs Vordeck um den Gennaker zu bergen. Mittlerweile hatte der sich mehrfach verdrecht, ums Kutterstag gewickelt und war nicht mehr einzuholen. Dunkelheit, Lampen die blendeten oder nicht bis nach oben reichten um die Lage genau zu eruieren, strömender Regen, ordentlicher Wind und ein verrückt spielender Autopilot sowie ein von Hand fast nicht zu steuerndes Schiff waren jetzt die Rahmenbedingungen für eine ungefähr einstündige Aktion. Doch Rainer und Franz bleiben ruhig und konzentriert und arbeiteten sich Schritt für Schritt zur Lösung voran. Schließlich gelang es, den Gennaker zu entwirren, unbeschädigt zu bergen und abschließend die Fock zu setzen. Ein wohlverdientes Bier beendete diesen turbulenten Abend endgültig.

Zu guter Letzt: vorhin saßen wir im Cockpit beim nachmittäglichen Tee zusammen und haben überlegt, wann wir denn wohl nun in Martinique ankommen werden. Wir haben uns auf den 16.12. geeinigt; mal gucken ob wir richtig liegen.

Ein Kommentar zu “8.12.2012

  1. Anne Homeier

    Hallo Trinity, moin Grete!
    Mit großer Spannung und viel Freude habe ich in den letzten Woche eure Route verfolgt.
    Nun habt ihr das nächste Ziel (Martinique) fast erreicht. Wie schön für euch! Nach einer so langen Zeit muss es ein tolles Gefühl sein anzukommen.
    Liebe Grüße aus dem frostigen Ostfriesland sendet euch Anne, YC Norden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.