3. Teil Indik

Cocos Keeling-Rodrigues- Mauritius-La Reunion- St Marie- Nosy-Be- Richards Bay

Der Süd-Ost-Passat wehte angenehm und wir kamen zügig voran. Am 23.August 2018 fiel nach ca. 500 SM der Anker vor Direction-Island. Wir lagen im glasklaren Wasser und ein kleiner Schwarm Schwarzflossenhaie begrüßte uns neugierig. Bei diesen wunderschönen Bedingungen kamen Erinnerungen an die Südsee hoch: türkis-blaues Wasser, feiner Sandstrand und eine idyllische Palmeninsel.:-) Vom benachbarten Catamaran kam Donald rüber und gab uns einige wichtige Informationen. Da auf Direction-Island keine Zivilisation vorhanden ist, die Segelboote dort aber ankern müssen, machten wir unser Dinghi klar und fuhren bei starker Welle rüber nach Home-Island. Außer das Police-Office, ein Supermarkt, drei Straßen mit Häuserzeilen, ein kleines Museum, den Anlegerhafen und so paar kleine Kooperative gab es nicht viel. Internet gleich Null, jedenfalls für uns. Das Einklarieren ging unproblematisch, in dem übersichtlichen Supermarkt haben wir für teuer Aussi-Dollar etwas eingekauft.  In den nächsten Tagen kamen auch die Dörtita und die Silbermöwe an.

Am 27.08. verbrachten wir deutschen Segler einen feucht-fröhlichen Abend auf Direction-Island. Mit dabei war auch die Crew der Nuku Alofa, Jens und Georg. Sie kamen direkt von Thailand über Malaysia und hatten einen strammen Törn hinter sich. Es war ein schöner Abend. Auf der Insel gibt es Grillplätze, Regenwassertanks und Toiletten. Außerdem wurde dort relativ neu ein Pavillon eingerichtet, der die Historie der Insel dokumentiert.

Auf Direction Island befand sich ein wichtiger Seekabelknotenpunkt. Hier liefen Seekabel aus Afrika, Asien, Indien und Australien zusammen. Im 1. Weltkrieg lag der deutsche Kreuzer „Emden“ in der Lagune. Ein 50 Mann starkes Kommando war an Land um den Knotenpunkt zu zerstören. Aber es näherte sich der australische Kreuzer „Sydney“. Die „Emden“ lief ohne ihr Landkommando aus. Es kam zu einer Seeschlacht und der deutsche Kreuzer wurde schwer beschädigt. Der Kapitän fuhr die „Emden“ auf Nord Island auf den Strand um die restliche Besatzung zu retten. Die Truppe auf Direction Island entzog sich der Gefangennahme, in dem sie einen alten Schoner, der in der Lagune lag, kaperten. Nach einer Irrfahrt
durch den Indischen Ozean landeten sie im Jemen. Von dort zogen sie zu Fuß durch die Wüste der arabischen Halbinsel bis sie türkisches Territorium erreichten. Unterwegs mussten sie sich gegen Horden von Beduinen verteidigen. Als sie wieder in Deutschland ankamen, wurden sie als Helden gefeiert. …

Mit Hanne und Kalli von der Silbermöwe machten wir noch einen Ausflug nach West-Island. Außer, das wir dort Internet nutzen/ kaufen konnten, ist der Aufenthalt nicht besonders erwähnenswert.

Für Segler ist Direction Island noch nennenswert, weil dort sich fast alle Segelschiffe/Crews in Form eines selbstgebastelten Schildes verewigen. Aus Strandgut und diversen Utensilien werden mehr-oder weniger hübsche Schilder mit dem Namen des Schiffes dort angebracht.

Am 28.08. 2018 ging die Nuku Alofa und die Silbermöwe ankerauf. Dörtita und wir starteten am Tag danach um 09:00 Uhr. Beim Verlassen der Lagune wurden wir von einer Familie großer Delphine begleitet. Guten Mutes und mit 5 bis 6 Windstärken, die uns der Süd-Ost-Passat pustete, Genua und Groß gerefft, machten wir zügig Fahrt und nahmen die Herausforderung der Indik-Überquerung an. 1985 SM lagen vor uns.

Wir kamen sehr gut voran. Allerdings rollte die Trinity heftig und das Leben an Bord wurde sehr anstrengend. Die Bordroutine verlangte wieder einen drei-bis vier-stündigen Wachwechsel. Es regnete öfter und auch Seewasser platschte häufig in die Pflicht. Ich hasse es L !!! Unsere Quitschie, der Autopilot, steuerte super und der Wachhabene hielt sich doch mehr im Salon auf und schaute regelmäßig hoch. Oft haute uns eine große Welle auf die Seite, knallte donnerartig und es war gramuselig. Die See war chaotisch. Neben dem Seewind rollen von Süden Wellen bis zu 6 Meter an und brechen gelegentlich. Lärm ist wieder ein Thema, was beängstigen wirkt. Ich weiß nicht, ob es bei unserem Aluminiumschiff besonders extrem ist. Das Hämmern der See klingt schon heftig. Ich habe keine Lust mehr auf diesen schei… Törn. Kochen zu gut wie unmöglich. Muss aber auch sein. Branntblasen, blaue Flecken und Blutergüsse sind normal. Irgendwann tut nichts mehr weh und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Rainer ist tapfer, klagt selten, aber dann doch. Egal, hier müssen wir durch. Positiv war, dass wir super schnell waren. Trinity schaffte bis dahin einen absoluten Etmal-Rekord von 170 NM. Wir sind stolz auf unser Schiff, die ja ansonsten nicht sooo schnell ist. Trotzdem, Indik, du bist und wirst nicht mein Freund.

Während einer meiner Nachtwachen meldet sich Jens von der Nuku Alofa über Funk. Er hat uns über AIS auf dem Schirm. Ich freue mich mit ihm zu schnacken und er meint auch so, dass wir ja sehr schnell sind. Jau, das ist toll. Die Nuko Alofa ist eine Hallberg Rassy-Ketch und müsste eigentlich auch schnell sein. Aber Jens erzählt mir, dass sie ihr Dinghi im Schlepp haben und das bremst natürlich. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Bei dem Seegang und der Welle. :-0  

Mit der Dörtita hielten wir über Kurzwellenfunk Kontakt. Da es auf der Dörtita einen Kurzschluß gab, funktionierte das nicht mehr.

Es war ein Höllentörn, schnell, aber bitte nie wieder !!!
Nach 12 Tagen, am 10.09.2018 ließen wir den Anker vor Port Mathurin auf Rodriguez erleichtert auf den Meeresboden sinken.

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