1.12.2012 Bordleben und Kapverden- Erlebnisse

Bei strömendem Regen und absolutem Windmangel absolviert die Trinity gerade ihre obligatorische tägliche Motorstunde, um die Batterien wieder aufzuladen. Rainer spült das Geschirr der Teestunde, Franz stillt seinen Bildungshunger mittels eines aktuellen philosophischen Werks (Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?)und ich schreib jetzt noch ein wenig über unsere Kapverdentage.

Nach der Titanic-Einlage in Sao Nicolau ging es neben den üblichen Anmeldeformalien ans Bunkern von Wasser und Diesel. Wir verholten die Trinity zu diesem Zweck an die Hafenpier, wo die bereits erwähnten „Hafenjungs“ ihre Dienste anboten. Sie halfen beim Anlegen, die vollen Einkaufstüten sicher an Bord zu tragen, hielten Diesel- und Wasserschlauch in Position usw.. Als Dank bekamen sie unter anderem je eine Portion Shampoo direkt auf die Haare; sie hatten dieses in der Box neben der Heckdusche entdeckt 🙂 Alle sprangen umgehend zum Spülen ins Hafenbecken. Es war lustig, wir hatten auch unseren Spaß, aber wie bei allen Kinderspielen mussten wir hier auch irgendwann „Stopp“ sagen; dreimal Shamponieren pro Person müssen einfach reichen ;-).

Nachdem die Tanks gefüllt waren, kam ein etwas größerer Junge und kassierte das Geld fürs Wasser. Er verlangte 2700 Escudos (umgerechnet 27 Euro). So weit, so gut. Dachten wir. Denn als wir wieder am Ankerplatz lagen und eine Gruppe von fünf Jungen unser Dinghi ebenfalls wieder dorthin brachte, wollten sie uns, ziemlich aufgeregt und alle durcheinander redend, etwas Wichtiges sagen. Wobei man erklären muss, dass wir kein einziges Wort der Landessprache Portugiesisch können und die Jungen immerhin vier bis fünf Worte Englisch. Nun ja, es reichte aus, um uns mitzuteilen, dass wir beim Wasserkauf betrogen wurden. Auf einem Notizblock schrieben sie den Namen des „Übeltäters“ auf, und die Summen um die es ging. Kassiert waren 2700 Esc., der Preis fürs Wasser war jedoch nur 700 Esc.. Ein stolze Gewinnspanne, zumal der Kleinganove nicht mal selbst der eigentliche Wasserverkäufer war. Die Jungs waren, völlig zu Recht, sehr außer sich. Wir hätten den überzahlten Preis wohl verschmerzen können, wollten aber das Gerechtigkeitsempfinden der Kinder stärken. Auf der anderen Seite waren wir uns nicht ganz sicher, ob denn die Version der Kinder zutraf. So versprachen wir ihnen schließlich eine Belohnung von 500 Esc., falls wir es mit ihrer Hilfe schaffen würden, den überzahlten Betrag zurück zu bekommen. Sie verstanden, was wir wollten und so machte sich ein vollbesetztes Dinghi (Franz als „Robin Hood“ und die besagten „Fünf Freunde“) auf zur Hafenpier. Nachdem der eigentliche Wasserverkäufer die Kinder und Franz abblitzen ließ, gings schnurstacks zur Policia. Gemeinsam wurde dem örtlichen Polizeichef mithilfe eines zufällig anwesenden englisch sprechenden Einheimischen der Sachverhalt dargelegt. Der überaus freundliche Polizeichef schickt daraufhin sofort seinen Assisenten zum Hafen, um die Übeltäter zur Polizeiwache zu holen und dort zur Rede zu stellen. Damit hatten die Beiden wohl kaum gerechnet, mit dem Polizeiwagen abgeholt zu werden! Am Ende langer Rechtfertigungsreden, von denen kein Wort zu verstehen war, lag dann das überzahlte Geld auf dem Tisch. Der Mimik und dem Tonfall des Polizeichefs war zu entnehmen, dass die Beiden sich so etwas in Zukunft wohl nicht wieder leisten dürften. Das Geld in der Tasche, kehrte Franz dann zum Hafen zurück, traf dort die Kinder und überreichte ihnen die versprochene Belohnung. Zurück an Bord, begossen wir die gelungenen Aktion mit einem kühlen Bier. Im Bewusstsein, dass auf dieser Insel Kinder mit einem hohen Gerechtigkeitsempfinden aufwachsen, holten wir in der Abenddämmerung den Anker auf und segelten nach Mindelo auf der Insel Sao Vicente.

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